Manchmal muss man die Perspektive ändern, um etwas zu erkennen. Der Blick vom Weltraum aus ermöglicht einen solchen Perspektivenwechsel; ein größerer ist uns Menschen wohl nicht möglich. Die freie Sicht nach unten ist spannend und faszinierend – aber was man durch sie erkennt, ist nicht immer schön.

Ein Dach für Millionen: Manila, Singapur und Dubai

Manila (Philippinen)
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Seit Mitte des 19. Jahrhunderts boomt Manila, die Hauptstadt der Philippinen. Die "Metro Manila" mit ihren zwölf Millionen Einwohnern besteht zusammen mit der namensgebenden Hauptstadt aus 16 weiteren Städten – die von oben so aussehen, als seien sie zu einer einzigen zusammengewachsen. Vor sich hin wuchernde Slums trugen ihren Teil zur rasanten Ausweitung Manilas bei. Der Fluss Pasig, der die Metropolregion in zwei Hälften teilt, ist so stark verschmutzt, dass er als "biologisch tot" gilt.
Singapur
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Singapur ist eines der reichsten Länder der Welt: reich an Geld, Handelsbeziehungen und an (5,5 Millionen) Menschen. Deswegen wird es eng auf der Insel – der ursprünglich überall vorhandene Regenwald ist dem Menschen gewichen. Sein mickriger Rest quetscht sich auf 0,25 Prozent der Gesamtfläche Singapurs. Die Singapurer hatten stattdessen noch eine andere Idee, um mehr Platz zu schaffen: ins Meer bauen, Küsten vergrößern und Inseln erschaffen. Mit dieser Landgewinnungsmaßnahme hat Singapur seine Fläche in den letzten 50 Jahren um etwa 20 Prozent vergrößert.
Dubai
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Auch diese Stadt weiß, wie sie zu mehr Land kommt: Dubai. Die auf dem Bild zu sehende Insel heißt "The Palm, Jumeirah". Für das ganze Konstrukt sollen rund 200 Millionen Kubikmeter Sand und Steine notwendig gewesen sein; nun drängen sich auf dem vier Kilometer langen "Palmenstamm" und seinen Wedeln die Villen und Hotels. Dubai setzt auf Attraktionen und Tourismus: Die Stadt besuchen mit jährlich etwa elf Millionen Touristen mehr als fünfmal so viele Menschen, wie sie Einwohner hat. Da die Bilder durch Messungen von Wärmestrahlung entstanden, sind einige Farben nicht realitätsgetreu abgebildet: Pflanzen sind rot gefärbt, Wasser blau, gepflasterter Boden erscheint hellblau oder grau und der Wüstenuntergrund braun.

Essen muss der Mensch: Reis in Brasilien, Shrimps in China und Früchte in Saudi-Arabien

Rio Grande do Sul (Brasilien)
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Der größte Teil von Brasiliens Reis wird im Süden angebaut, auf seinen wasserblauen, gefluteten Feldern. Je nach Sorte benötigt die Herstellung eines Kilogramms Reis durchschnittlich 3000 Liter Wasser. Brasilien gehört zu den zehn größten Produzenten der weißen Körner, konnte seine Gesamtfläche für den Reisanbau jedoch seit Ende der 1980er Jahre verringern. Die Ernte stieg dennoch – intensivere Bewässerung und Bewirtschaftung der Felder machen es möglich.
Huang-He Delta (China)
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Rund die Hälfte aller Meeresfrüchte auf unserem Teller werden inzwischen gezüchtet – wie hier am Delta des Flusses Huang He, der in den Bohai-See mündet. Asien dominiert den Markt für Meeresfrüchte; allein China deckt 62 Prozent des weltweiten Bedarfs für Garnelen mit seinen Zuchtfarmen ab. Traditionelle Kleinbetriebe werden dadurch immer mehr abgelöst und setzen auf Massentierhaltung. Umweltverbände üben starke Kritik an den derzeitigen Farmen: Das verfütterte Fischmehl dezimiert die raren Fischbestände zusätzlich, das Grundwasser wird durch den Einsatz von Pestiziden und Antibiotika verschmutzt und die Böden verseucht.
Wadi As-Sirhan (Saudi-Arabien)
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Es grünt in der arabische Wüste nahe den Städten Al'Isawiyah und Tubarjal (links oben). Das dafür notwendige Wasser spendet ein Grundwasserleiter, auch Aquifer genannt – also Gesteine und Gesteinsschichten, deren Hohlräume Grundwasser speichern können. Das darin enthaltene kann dabei auch gut und gerne 30 000 Jahre alt sein – dann wird auch von fossilem Wasser gesprochen. Mehrere Jahrzehnte kann Saudi-Arabien durch dieses Reservoir noch Obst und Gemüse anbauen; doch irgendwann wird der uralte Speicher erschöpft sein.

Platz da, jetzt komm ich: Massive Abholzung in Brasilien und Paraguay

Rondônia (Brasilien)
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Das im Nordwesten liegende brasilianische Land Rondônia lebt vor allem von Bergbau und seinem Regenwald. Wie intensiv es Letzteren nutzt, ist auf dem Bild gut zu erkennen: Rondônia hat inzwischen rund 25 Prozent seines Regenwalds gerodet. Das ist fast deckungsgleich mit dem Prozentsatz, den der Regenwald überall in Brasilien an Fläche verlor – die Größe entspricht in etwa der Rumäniens. Auf dem Bild ebenfalls zu sehen ist der künstlich angelegte Samuel-Damm am Rio Jamari.
Mata Atlântica (Paraguay)
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Mata Atlântica, der an der Küste gelegene Regenwald Südamerikas, ist nicht so bekannt wie der im Inneren befindliche Amazonaswald. Doch seine Rodung – bezogen auf seine ursprüngliche Fläche – ist viel drastischer: Schätzungen zufolge sind nur noch etwa sieben bis zwölf Prozent des Walds übrig, zerstückelt in einzelne, nicht zusammenhängende Gebiete. In Paraguay, das einen Teil dieses Regenwalds "besitzt", wurde in den letzten 70 Jahren rund sieben Millionen Hektar abgeholzt. Das hat nicht nur mit dem Rohstoff Holz an sich, sondern auch mit Platzgründen zu tun: Straßen, Sojapflanzen und Weideland sind die Bäume im Weg.

Bezwinger und Opfer einer Naturgewalt: Wasserschwund in Afrika, Wasser marsch in Pakistan

Tschadsee (Afrika)
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Er war einst einer der größten Seen der Welt: der Tschadsee an der südlichen Grenze der Sahara. Vor 50 Jahren hatte er eine Fläche von etwa 25 000 Quadratkilometern; heute hat er mit den noch verbleibenden 1500 Quadratkilometern über 90 Prozent seiner Fläche verloren. Dabei veränderte sich der Tschadsee schon immer stark durch Klimaschwankungen und Dürren. Doch der "Faktor Mensch" ist wahrscheinlich zu viel für ihn: Die Nutzung seines Wassers für Bewässerungen und die Veränderung von Flussläufen tragen dazu bei, dass der Wasserspiegel immer weiter sinkt. Die trockenen Gebiete sind in diesen mittels Wärmestrahlung detektierten Aufnahmen grau, Wasser blau und feuchte Sumpfgebiete rot dargestellt.
Mirani-Damm (Pakistan)
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Der Staudamm Mirani des Dasht-Flusses: Im Süden Pakistans gelegen, dient er der Energiegewinnung, Bewässerung und zur Bereitstellung von Trinkwasser. Mit seinem Volumen von 370 Millionen Kubikmetern Wasser kurbelt er – wie in dem rechten Bild erkennbar ist – die Landwirtschaft in der Region an. Der Damm hat jedoch auch schon großes Leid verursacht: Im Juni 2007, etwa ein Jahr nach seiner Fertigstellung, gab es eine verheerende Überschwemmung: Starke Regenfälle bewirkten einen "Rückstau" das Wassers, welches flussaufwärts über die Ufer trat. 35 000 Menschen verloren damals ihr Zuhause. Der Streit um staatliche Entschädigungen dieser Menschen dauert bis heute.

Alles wie immer? Eine Eisplatte "kalbt"

Larsen-B Schelf-Eis (Antarktische Halbinsel)
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Knapp einen Monat hat es gedauert, dann schwammen nur noch die Eistrümmer im Meer: 3250 Quadratkilometer des so genannten Larsen-Schelfeises brachen 2002 von der Antarktischen Halbinsel ab – eine Fläche, die größer ist als Luxemburg. Das Larsen-Eis ist nach dem norwegischen Kapitän Carl Anton Larsen benannt; von Schelfeis wird deswegen gesprochen, weil die Eismassen auf dem Meer schwimmen, statt auf dem Festland zu liegen. Dass Gletscher "kalben", ist zwar ein natürlicher Vorgang, doch fördert die Erderwärmung den Prozess: So verliert die Antarktis vor allem im Westen sein Eis durch den Klimawandel.

Die Schätze der Erde: Bergbau in Chile und Ölförderung in Kasachstan

La Escondida (Chile)
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Der Tagebau der "Minera Escondida Limitada" in der Atacama-Wüste gilt als das größte Kupferbergwerk der Welt. Die Infrastruktur und Gruben des Bergwerks sind gut in Blau und Weiß zu sehen; in der linken unteren Ecke befindet sich eine dunkelblaue Abfallgrube. Außer Kupfer werden hier auch Gold und Silber gefördert. Chile besitzt neben Indonesien die größten Kupfervorräte der Welt – deswegen ist der Staat für Länder wie Deutschland ein wichtiger Handelspartner. Deutschland importiert das Metall zu 100 Prozent.
Mangghystau (Kasachstan)
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In der Region Mangghystau nahe dem Kaspischen Meer werden seit den 1990er Jahren Gas und Öl gefördert. Die Fabriken und Siedlungen sind als helle Punkte gut erkennbar. Die Gegend um das Kaspische Meer beherbergt eine der größten fossilen Energiereserven der Welt. Umweltschützer fürchten durch deren verstärkte Förderung, dass dies auch zu einer größeren Verschmutzung des Meeres führt – durch Austritt von Öl, Ableitung von Industrieabwässern und Luftschadstoffen.

Einfach mal in Ruhe lassen: Der Yellowstone-Park und Tschernobyl

Yellowstone-Nationalpark (USA)
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Fast 30 Jahre her und immer noch nicht ganz verheilt: Die monatelangen Brände, die 1988 im Yellowstone-Nationalpark wüteten, sind die größten bisher bekannten in der Geschichte des Waldes – und haben bis heute ihre Spuren hinterlassen. Fast 4000 Quadratkilometer sind damals ganz oder teilweise verbrannt; eine Fläche mehr als dreimal so groß wie New York. Waldbrände lassen sich selten auf eine einzige Ursache zurückführen; ob jemand mit offenem Feuer spielte oder Blitzeinschläge sie verursachten, lässt sich kaum rekonstruieren.
Tschernobyl (Ukraine)
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"Das Leben findet einen Weg." Tschernobyl ist nicht Jurassic Park, doch auch hier verhält sich die Natur anders, als wir es vielleicht vermuten. 25 Jahre nach dem Reaktorunglück ist Tschernobyl keine leere Wüste, sondern leuchtet in natürlichem Grün. Inzwischen leben mehr als 100 bedrohte Tierarten dort, darunter Bären und Wölfe. Was die Strahlung bei den Tieren bewirkt, diskutieren Wissenschaftler immer noch kontrovers – doch zumindest die fast völlige Abwesenheit von Menschen scheint den Tieren gutzutun. Auf dem Bild von 1986 sind noch dunkelgrüne Wälder zu sehen und helle Felder, die auf ihre Bepflanzung warten. 2011 dominieren hellgrüne Graslandschaften; die abgestorbenen Bäume wurden inzwischen abgeholzt, der Boden wurde mit frischer Erde aufgeschüttet.
Wer sich sein Zuhause – oder jeden anderen Ort der Welt – einmal von oben ansehen will und wie dieses sich seit 1984 verändert hat, kann das bei der "Time" unter "Explore the world" ganz bequem vom Bildschirm aus machen.