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News: Aktienkurse im Eiertanz

Ein amerikanisches Sprichwort sagt: 'Lege nicht alle Eier in einen Korb.' Wer sein Vermögen auf ein Pferd setzt, verspielt schnell Haus und Hof. Das gilt nicht nur beim Eierkauf oder Pferderennen, sondern auch an der Börse. In Aktienfonds versuchen die Anleger daher das Risiko auf verschiedene Wertpapiere zu verteilen. Doch was passiert, wenn der gutgläubige Käufer die Eier zwar in verschiedene Körbe legt, alle Körbe aber von einer einzigen Person getragen werden? Beim Pferderennen hat so ein Fall kein Analogon, an der Börse sieht das anders aus. Vergleiche mit physikalischen Methoden wiesen nun Korrelationen zwischen verschiedenen Aktienkursen nach. Demnach sind zwar die meisten Schwankungen zufällig, einige Trends scheinen aber durchaus mit denen anderer Papiere korreliert zu sein.
Manchmal scheinen Aktienkurse völlig zufällig zu schwanken. Über Gewinn oder Verlust entscheidet Fortuna anscheinend allein. Das mag zu 95 Prozent auch stimmen, ein Anteil von 5 Prozent der Kursschwankung ist jedoch mit dem anderer Papiere verknüpft. Das wissen die großen Investoren schon länger und versuchen, Gewinn und Risiko entsprechend zu kalkulieren. Doch was bislang eher intuitive Vermutungen waren, die auf jahrelangen Erfahrungen beruhten, konnte nun ein amerikanisch-französisches Team auch wissenschaftlich belegen und in den Physical Review Letters vom 16. August 1999 veröffentlichen.

Die Teams der Boston University und der Science & Finance-Gesellschaft in Paris untersuchten die Preisschwankungen einer großen Anzahl amerikanischer Aktien über einen Zeitraum von mehreren Jahren. Mit Methoden der physikalischen Datenanalyse subtrahierten die Wissenschaftler um Luis Amaral aus Bosten und Laurent Laloux aus Paris den "Untergrund" von den Preiskurven und erhielten so eine Serie von Moden oder "Trends". 95 Prozent dieser Moden, so zeigte die genauere Analyse mittels der sogenannten Random Matrix-Theorie, waren nicht mit denen anderer Aktien korreliert. Doch es blieb ein Anteil von immerhin 5 Prozent, der nicht zufällig variierte. Den größten Einfluß nahm der gesamte Markt an sich mit seinen üblichen Schwankungen. Kleinere Moden, die korreliert mit anderen Papieren auftraten, beziehen sich vermutlich auf Tendenzen anderer Aktiengruppen. Laloux spekuliert, daß diese geringfügigeren Schwankungen durch Marktsektoren wie einige Technologiefirmen oder Versorgungsbetriebe beeinflußt werden. Doch sie bedürfen genauerer Betrachtung, um sicher sagen zu können, welche Auswahl anderer Aktien diesen Trend induziert.

Mit detaillierteren Beobachtungen hoffen einige Wissenschaftler, bald nicht-zufällige Schwankungen verstehen zu können. Eine grundlegende Theorie zur Marktdynamik wäre natürlich erstrebenswert. Damit wären Aktien zwar noch kein sicheres Geschäft, aber nicht mehr ganz so risikoreich wie Pferdewetten. Und was die Eier angeht: Wer sagt denn, daß der Träger gleich beide Körbe fallen läßt?

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