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News: Der blaue Dunst greift um sich

Das Robert-Koch-Institut hat erste Auswertungsergebnisse des umfangreichen Bundes-Gesundheitssurveys 98 vorgelegt. Das Rauchen gehörte zu den ersten Punkten, die von den Wissenschaftlern genauer analysiert wurden. Wie sie mitteilen, sind die Zahlen alarmierend: Nahezu die Hälfte aller 18- bis 25jährigen greift regelmäßig zur Zigarette, und der Anteil an Raucherinnen in den neuen Bundesländern stieg dramatisch an. Die Forscher warnen nun, daß die Zahl der Todesopfer durch Lungenkrebs bei Frauen zunehmen könnte.
Nachdem die Untersuchungen und Befragungen einer repräsentativen Auswahl von erwachsenen Einwohnern aus 150 verschiedenen Orten der Bundesrepublik Deutschland im Frühjahr dieses Jahres abgeschlossen waren, liegt dem Robert Koch-Institut nunmehr ein umfassender Datensatz mit anonymisierten Informationen zum Gesundheitszustand für 7 124 Männer und Frauen im Alter von 18 bis 80 Jahren vor. Damit existieren aktuelle Daten, die Aussagen ermöglichen zu zeitlichen Trends in Gesundheitszustand und Gesundheitsverhalten der deutschen Bevölkerung. Insbesondere die Entwicklung der bei der letzten Survey-Erhebung 1991/92 festgestellten Ost-West-Unterschiede, aber auch Informationen zur Inanspruchnahme von Präventionsangeboten oder zur Entwicklung gesundheitsbewußter Verhaltensweisen, sind von großem Interesse. Diese Aussagen sollen sowohl Bestandteil einer zeitnahen Gesundheitsberichterstattung als auch Produkt epidemiologischer Forschung und Grundlage gesundheitspolitischer Weichenstel-lungen werden.

Aus diesem Grund sehen die Mitarbeiter des Robert Koch-Instituts ihre Verantwortung darin, möglichst schnell und in geplanter Reihenfolge an die Auswertung dieses Datenschatzes zu gehen. Wegen seiner gesundheitlichen Relevanz war das Rauchen Gegenstand der ersten Auswertungen des Bundes-Gesundheitssurveys. Die Ergebnisse wiederum geben keinen Anlaß zu Optimismus: Im Jahre 1998 rauchte ein Drittel der Bevölkerung im Alter von 18 bis 80 Jahren; 37 Prozent der Männer und 28 Prozent der Frauen. In den jüngsten Altersgruppen sind die Raucheranteile am höchsten: 49 Prozent der männlichen 18- bis 25jährigen und 44 Prozent der Frauen dieser Altersgruppe rauchen.

Bei Betrachtung der Entwicklungen in den alten und neuen Bundesländern ist folgendes zu erkennen: In den alten Bundesländern sank der Raucheranteil bei Männern um 2 Prozentpunkte auf 36 Prozent, bei Frauen blieb er auf gleicher Höhe (28 Prozent). In den neuen Bundesländern stieg der Anteil der Raucher bei Männern um einen Prozentpunkt auf 41 Prozent. Alarmierend ist allerdings der Zuwachs ostdeutscher Raucherinnen: Während dort noch 1992 21 Prozent der Frauen angaben zu rauchen, sind es jetzt schon 29 Prozent. Damit liegt der Anteil rauchender Frauen in den neuen Bundesländern jetzt sogar um einen Prozentpunkt über den alten Bundesländern. "Der schon früher befürchtete weitere Anstieg der Lungenkrebs-Sterblichkeit bei Frauen könnte damit in absehbarer Zeit Realität werden", vermutet Dr. Bärbel-Maria Bellach, Leiterin der Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsberichterstattung am Robert Koch-Institut.

Auch zur Rauchintensität liegen Zahlen aus dem Bundesgesundheitssurvey vor. 46 Prozent der männlichen Raucher konsumieren zwanzig und mehr Zigaretten täglich und sind damit als starke Raucher einzustufen. Bei den Frauen beträgt dieser Anteil 31 Prozent. Beim Vergleich alter und neuer Bundesländer liegt der Anteil starker Raucher im Westen höher: bei Männern um 7 Prozentpunkte (47 zu 40 Prozent), bei Frauen ist er doppelt so groß (34 zu 17 Prozent).

Allerdings rauchen nicht alle Raucher gern. Rund ein Drittel von ihnen, Männer wie Frauen, in alten wie in neuen Bundesländern, hat während des letzten Jahres mindestens einen Versuch unternommen, mit dem Rauchen aufzuhören.

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