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Antike Wüstenstädte: Loulan – Königreich der Wüste

Zwischen den gerippten Sanddünen im Osten der zentralasiatischen Taklamakan-Wüste bietet sich dem Auge ein ungewöhnlicher Anblick: Da ragen dicht an dicht silbern glänzende Pappelstämme auf. Stand hier früher einmal ein Wald?
Nein, die Stämme gehören zu einer alten Begräbnisstätte am Rande einer längst vergangenen Oase im ehemaligen Königreich Loulan. Die Ruinen der gleichnamigen Hauptstadt des Reiches hatte der schwedische Entdeckungsreisende Sven Hedin 1901 erstmals untersucht. Wie „Abenteuer Archäologie“ in seiner aktuellen Ausgabe 4/2004 berichtet, haben Archäologen und Sprachwissenschaftler das wechselvolle Schicksal dieser ehemals wichtigen Station an der Seidenstraße bis zu ihrem Untergang rekonstruiert.

Man kann es sich heute kaum vorstellen, aber Loulan war einmal eine blühende, lebendige Stadt am Ufer eines großen Salzsees, der durch den Fluss Tarim mit Wasser versorgt wurde.

Das Schicksal der Oase erschließt sich durch Schriftquellen und archäologische Untersuchungen. Besonders die Bodenfunde vermitteln einen Eindruck von Reichtum und Lebensqualität. So verlief diagonal durch die Stadt ein breiter Bewässerungskanal, es gab Residenzen und buddhistische Kultbauten. Seidenballen, Reste von Webteppichen, geschnitzte Balken, Bronzegegenstände, Edelsteine und Münzen – das reiche Fundmaterial zeugt vom Überfluss, der hier geherrscht haben muss. Auskunft über die Einwohner selbst geben Gräber in der Wüste – unter anderem jene, die mit den aufragenden Pappelstämmen markiert waren. Die Toten sind dank des trockenen Klimas als Mumien erhalten geblieben. So ist auch heute noch offensichtlich, dass die Menschen äußerlich eine erstaunliche Ähnlichkeit zu modernen Europäern aufweisen. Schriftquellen legen nahe, dass sie unter anderem Tocharisch sprachen, das mit der westlichen indoeuropäischen Sprachfamilie verwandt ist.

Um 130 v. Chr. zählte die blühende Wüstenstadt mehr als 14000 Einwohner. Nur wenige Jahrhunderte später, 330 n. Chr., durchschnitt die Natur ihre Lebensader: Der Fluss Tarim änderte seinen Lauf, der Salzsee versiegte und Sanddünen überdeckten die verlassenen Gebäude. Geblieben ist ein Paradies für Archäologen.

Abdruck honorarfrei bei Quellenangabe: epoc, 4/2004
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