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2100 Jahre alte Denare: Römische Silbermünzen – in Sachsen-Anhalt?!

Eigentlich sollte man im Boden von Halle an der Saale keine römischen Münzen finden. Nun aber kamen dort fünf besonders alte Denare zum Vorschein.
Eine Sammlung von fünf antiken Silbermünzen, mit Vorder- und Rückseite in zwei Reihen angeordnet. Die Münzen zeigen unterschiedliche Prägungen mit Porträts von Profilansichten und mythologischen Szenen. Die Details der Prägungen variieren, einige zeigen menschliche Figuren, andere Tiere oder symbolische Darstellungen. Die Münzen sind auf einem schwarzen Hintergrund platziert, was die silberne Farbe hervorhebt.

Fünf Denare – oben Vorderseite, unten Rückseite

Das Gebiet, über das sich heute Sachsen-Anhalt erstreckt, war nie Teil des Römischen Reichs. Und vom Limes auch ein ganzes Stück entfernt. Dennoch hat es die Römer auch hierher verschlagen. Das ist spätestens seit 2026 gesichert, als Archäologen des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt (LDA) die Überreste von Marschlagern aus dem 3. Jahrhundert in dem Bundesland freilegten. Schon zur Zeit von Kaiser Augustus (er regierte von 27 v. Chr. bis 14 n. Chr.) hatten die Römer versucht, sich rechtsrheinische Gebiete bis an die Elbe einzuverleiben. Geklappt hat das nicht, dennoch gelangten immer wieder römische Gegenstände ins »Barbaricum«.

Archäologen kennen nur weniges dieser Art, doch nun kam ein überraschend früher Fund hinzu, wie das LDA Sachsen-Anhalt mitteilt. Der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger Dirk Braungardt hat im Stadtteil Nietleben in Halle an der Saale fünf römische Silbermünzen aufgespürt, sogenannte Denare. (Oben sind übereinander die Vorder- und Rückseiten abgebildet.) Eine der Prägungen stammt aus dem Jahr 148 v. Chr. (ganz links), die vier übrigen aus der Zeit von 82 bis 79 v. Chr. – und damit aus der späten römischen Republik, als Roms Expansionsziele in Germanien noch in weiter Ferne lagen.

Braungardt fand die Münzen wenige Zentimeter unter der Erdoberfläche. Nicht an einem Fleck, sondern jeweils einige Meter entfernt voneinander. Vermutlich, so erklärt es die Numismatikerin Anika Tauschensky vom LDA Sachsen-Anhalt, waren sie »erst durch sekundäre Einflüsse, insbesondere landwirtschaftliche Bodenbearbeitung, auseinandergezogen« worden. Ursprünglich lagen die Denare vermutlich in einer Art Börse, die verloren ging oder absichtlich verscharrt wurde.

Bislang kennen Fachleute aus Sachsen-Anhalt nur 19 Münzen aus republikanischer Zeit. Menschen hatten sie vermutlich als Geschenke, Handels- oder Beutestücke mitgebracht. Es waren Einzelstücke, die häufig mit Münzen aus der römischen Kaiserzeit zusammenlagen, also vor allem mit Nominalen aus den nachchristlichen Jahrhunderten. Neben den fünf republikanischen Denaren aus Halle fand sich nichts dergleichen. Auch sonst fehlen Anzeichen dafür, wann sie in den Boden gelangt sind. Die Expertin vom LDA hat jedoch einen begründeten Verdacht, dass es nicht allzu lange nach dem Prägedatum passiert sein kann.

Münzen waren im »Barbaricum« nicht als Geld im Umlauf, sondern allenfalls als Statusobjekte oder Stücke mit hohem Metallwert. Brauchte man das Silber anderweitig, wurden sie eingeschmolzen. Daher »ist von einer deutlich späteren Deponierung beziehungsweise einem deutlich späteren Verlust als dem durch das Prägedatum angezeigten Zeithorizont nur selten auszugehen«, erklärt Tauschensky. Obwohl die fünf Denare stark abgegriffen sind und offenbar viel herumgereicht wurden, wären sie laut der Numismatikerin eher früher als später in den Schmelztiegel gewandert. Vielleicht hatte jemand sie bereits im 1. Jahrhundert v. Chr. in die Region gebracht – oder im 1. Jahrhundert n. Chr. Im Römischen Reich waren sie damals noch als Geldmittel gültig.

Die Erforschung der fünf Denare hat erst begonnen. Auf zwei Stücken, die ringsum am Rand eingekerbt sind, haben die Fachleute Graffiti entdeckt. Was die Ritzungen zeigen, wird noch untersucht, sagt Tauschensky. »Die Zeichen können aber Hinweise geben, wie Menschen in der Antike mit Geldstücken umgingen, sie kennzeichneten, prüften oder für persönliche Notizen nutzten.«

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