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Fossil mit Kieferklauen: 500 Millionen Jahre alte Urspinne entdeckt

1981 spendete ein Fossilienjäger ein Fundstück aus der Wheeler Shale in Utah an eine Universität. Erst 45 Jahre später erkennen Paläontologen, dass in dem Stein eine kleine Sensation steckt: Es handelt sich um den bisher ältesten bekannten Vorfahren heutiger Spinnen und Skorpione, dem sie den Namen Megachelicerax cousteaui geben.
Eine Spinne sitzt auf einem dunklen Hintergrund neben einem Fossil des Kieferklauenträgers Megachelicerax cousteaui. Das Fossil zeigt die Umrisse eines urzeitlichen Gliederfüßers mit segmentiertem Körper und den für die Gruppe charakteristischen Zangen, den sogenannten Cheliceren am ersten Kopfsegment.

Die Urspinne neben ihrer modernen Nachfahrin

Eigentlich wollte sich Rudy Lerosey-Aubril nach einem langen Tag im Hörsaal beim Fossilienreinigen etwas Entspannung gönnen. Der Paläontologe von der Harvard University ahnte nicht, dass der aufregendste Teil seines Tages noch vor ihm liegen würde. Denn in dem Stein aus dem Wheeler Shale in Utah, den er zur Begutachtung erhalten hatte, wartete ein Sensationsfund auf ihn: Er enthielt den ältesten bislang bekannten Kieferklauenträger. Der versteinerte Gliederfüßer ist damit ein Vorfahre der Gruppe von Tieren, zu denen Spinnen, Skorpione, Zecken und die urzeitlich anmutenden Pfeilschwanzkrebse zählen.

Das Fossil stimmt in vielen Punkten mit den üblichen Gliederfüßern aus der Ära überein. Was es jedoch von ähnlichen Funden abhebt, sind die klauenartigen Extremitäten an seinem Kopfende. Diese Cheliceren sind charakteristisch für die Gruppe der Kieferklauenträger – sie grenzen Spinnentiere von den Insekten ab, die anstelle der Klauen mit Antennen bestückt sind. Das zuvor älteste bekannte derartige Fossil ist auf etwa 480 Millionen Jahre datiert und stammt damit aus dem Ordovizium. Die neu entdeckte Art, die Lerosey-Aubrils Team Megachelicerax cousteaui taufte, ist rund 20 Millionen Jahre älter. Damit lebte sie zur Zeit des Kambriums, in dem es im Urmeer zu einer explosionsartigen Zunahme von Lebensformen kam. Am Ende des Erdzeitalters ereignete sich ein Massenaussterben, dem viele der neu entstandenen Tierstämme zum Opfer fielen. Die Kieferklauenträger gehörten offensichtlich zu den Überlebenden dieser Apokalypse.

Das Fossil von M. cousteaui ist etwa acht Zentimeter lang. Es enthält die gut erhaltene Struktur eines Exoskeletts, das aus einem Kopfteil und neun Körpersegmenten besteht. Das Kopfende enthält sechs Gliedmaßen, die dem Tier zum Fressen und Tasten dienten. Im Körper sind plattenartige Atemstrukturen sichtbar, die den Buchkiemen von Pfeilschwanzkrebsen ähneln.

Bei dem Fund handelt es sich gewissermaßen um eine Wiederentdeckung. Denn das versteinerte Urzeittier war bereits 1981 von dem Großsammler Lloyd Gunther an die Kansas University gespendet worden, nachdem er es in der Wheeler Shale in Utah entdeckt hatte. In Kansas hielt es Einzug in eine Sammlung vermeintlich wenig bemerkenswerter Fossilien. Lerosey-Aubril hatte angeboten, diese als Teil seiner Erforschung früher Arthropoden zu untersuchen, und so den Glückstreffer gelandet.

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