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Ägyptische Kunst: Ganz alte Schule

Reliefs aus dem Totentempel der Pharaonin Hatschepsut verraten, wie die Wandreliefs entstanden. Noch immer ist das »Training-on-the-Job« der Nachwuchskünstler erkennbar.
Opfer für die Königin

Opfer für die Königin

Die farbenfrohe Ausstattung des Totentempels der Pharaonin Hatschepsut, die im 15. Jahrhundert v. Chr. regierte, verlangte wohl nach einer großen Schar von mehr oder weniger hoch qualifizierten Kunsthandwerkern. Wie die alten Ägypter bei der Anfertigung von Reliefs vorgegangen sind und wie Neulinge die Technik erlernten, hat nun Anastasiia Stupko-Lubczynska von der Universität Warschau analysiert.

Bei genauer Betrachtung zeigte sich, wie hier Meister und Lehrlinge nebeneinander arbeiteten. Insbesondere die Perücken der insgesamt 200 Opfergabenbringer verlangten nach großem Geschick, waren aber so aufwändig, dass sie offenbar nicht allein von den Meistern erledigt werden konnten. Die Könner arbeiteten darum oft den halben Kopf vor und ließen ihre Schüler den Rest vollenden. Ohne Vorlage gerieten den Neulingen die Perücken offenbar eher unbeholfen (linke Figur) und weniger meisterlich (rechte Figur). An vielen Stellen fand die Forscherin auch Korrekturen unzufriedener Vorarbeiter.

Sieben Schritte waren nötig, um ein solches Relief auf die Wand zu bringen. Die Kalksteinwand wurde zunächst mit Putz geglättet, dann mit einem Gitternetz überzogen, das half, die Vorzeichnung zu übertragen. Für diese benutzte man rote Farbe. Anschließend nahm ein Experte schwarze Farbe und korrigierte die Vorzeichnung. Nun wurden die Inschriften angelegt, erst dann gingen die Skulpteure ans Werk und arbeiteten die Figuren anhand der schwarzen Umrisslinien heraus. Im nächsten Schritt trugen vermutlich weniger qualifizierte Kräfte die Oberfläche der umliegenden Wand ab, um den Figuren Plastizität zu verleihen. Erst dann wurden die Details herausgearbeitet, auch hier wahrscheinlich in Arbeitsteilung: Anfänger widmeten sich Körper, Beinen und Armen, Fortgeschrittene den Gesichtern – bis sich beide schließlich bei den Perücken wieder trafen. Im allerletzten Schritt haben Maler dann die Figuren und ihr Beiwerk farblich gefasst. Ihre Ergebnisse hat Stupko-Lubczynska im Fachblatt »Antiquity« veröffentlicht.

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