Atommüll im Atlantik: Radioaktiver Abfall auf dem Meeresboden aufgespürt

Aus den Augen, aus dem Sinn
Vermutlich mehr als 200 000 Fässer mit Atommüll liegen weit verstreut auf dem Meeresboden des Nordostatlantiks. Jahrzehntelang galt die Tiefsee als bequeme Möglichkeit, sich radioaktiver Abfälle zu entledigen. Auf diese Weise verklappten zahlreiche Staaten bis in die 1980er-Jahre hauptsächlich schwach kontaminiertes Material wie Schutzkleidung. Insbesondere zu Beginn des Atomzeitalters wurden die Aktionen kaum dokumentiert.
Ein internationales Forschungsteam will mit dem Projekt NODSSUM (Nuclear Ocean Dump Site Survey Monitoring) herausfinden, was aus den Fässern und ihrer Umgebung wurde. Bereits im Juni und Juli 2025 hat es im Rahmen einer ersten Expedition einen Teil der sogenannten Porcupine-Tiefseeebene südwestlich von Irland kartiert, Tausende von Fässern geortet und Wasser- und Sedimentproben gesammelt.
Bei einer zweiten Expedition im Mai und Juni 2026 stieß eine dreiköpfige Besatzung mit dem Miniatur-U-Boot »Nautile« zum Meeresboden in 4700 Metern Tiefe vor. Den Fachleuten gelangen bei 20 Tauchgängen zahlreiche faszinierende Aufnahmen von den Fässern – teils stark von Rost zerfressen und von Meeresorganismen besiedelt. Oft war Material aus dem Inneren ausgetreten.
Messungen zeigten laut einer Mitteilung der leitenden französischen Forschungsorganisation CNRS leicht erhöhte radioaktive Strahlung; Laboranalysen von entnommenen Proben sollen offenbaren, um welche Radionuklide es sich genau handelt. Die Beobachtungen werden dabei helfen, eine Frage zu beantworten, die für die Verantwortlichen lange keine Rolle gespielt hat: Wie wirken sich die Fässer auf die Ökosysteme aus, in denen sie gelandet sind?
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