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Tiefsee: Blick auf den Meeresboden

Die Tiefsee macht 60 Prozent der Erdoberfläche aus - wie ihr Untergrund beschaffen ist, weiß die Menschheit nur grob. Eine neue Karte enthüllt nun faszinierende Details.
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Tiefseeboden im Indischen Ozean

Der Grund der Meere ist auch heute noch überwiegend Terra incognita – das Wasser verbirgt den Blick in bis zu 11 000 Metern Tiefe. Doch zunehmend schärfen Satellitendaten unsere Karten vom Boden der Ozeane. Mit Hilfe von CryoSat-2 der ESA und Jason-1 der NASA ermittelten beispielsweise David Sandwell von der Scripps Institution of Oceanography und seine Kollegen die abweichenden Werte der Schwerkraft in der Tiefsee, die von Gesteinsdichten, Tiefen und Alter des Untergrunds abhängen: Die feinen Sensoren der beiden Satelliten zeichnen so erhöhte Gravitation an ozeanischen Rücken, unterseeischen Vulkanen und am Rand kontinentaler Platten auf (rot), während alte Tiefseegräben und -böden die Instrumente schwächer anziehen (blau). Und diese Daten bringen nun die Erforschung der Erdgeschichte voran, wie die dadurch neu entdeckte Mammerickx-Mikroplatte im Indischen Ozean belegt: Sie befindet sich ein Stück nordöstlich der so genannten Triple Junction, an der sich drei Teile des Indischen Rückens treffen. Mit ihr lässt sich der Beginn der Kollision zwischen Indischer und Eurasiatischer Platte auf die Zeit vor 47 Millionen Jahren exakt terminieren. Als sich die beiden Kontinente trafen, bremste dies die sich relativ schnell bewegende Indische Platte aus und zwang sie, ihre Richtung zu ändern. Durch die Drehbewegung hobelte die Platte an ihrer Südgrenze ein kleines Stück der Antarktischen Platte ab, das seitdem zwischen beiden eingeklemmt, verformt und bewegt wird. "Mikroplatten entstehen normalerweise nicht an mittelozeanischen Rücken, auch wenn diese in der Nähe liegen, sondern bilden sich nur beim Crash von Kontinenten", so Sandwell.

02/2016

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 02/2016

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