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Seltsame Landschaftsform: Der Berg, der aussieht wie eine 2

Parallele Hügelketten prägen die Appalachen im Osten der USA. Doch dazwischen prangt, als hätte jemand einen gigantischen Stift angesetzt, die Ziffer 2. Wie entstand die Kuriosität?
Digitales Geländemodell des Cove Mountain. Leider gibt es in den Appalachen keinen Berg, der aussieht wie eine 4.

Digitales Geländemodell des Cove Mountain

Im westlichen Zipfel des US-Commonwealths Virginia bilden die Appalachen eine Landschaft aus parallelen Bergketten und lang gestreckten Tälern, die sich entlang einer uralten geologischen Nahtstelle von Südwest nach Nordost erstrecken. Doch ein Berg tanzt aus der Reihe: Statt sich in die lineare Formensprache zu fügen, bildet der Grat des Cove Mountain einen eleganten Halbkreis, zieht sich dann etwa zwei Kilometer fast genau nach Süden und läuft schließlich nach einem scharfen Knick fast in die Gegenrichtung mit sanftem Schwung im Gelände aus. Ein Wanderweg folgt dem Kamm, der von Anfang bis Ende eine wie mit dem Stift gezogene 2 bildet. Normal ist das nicht.

Die eigenwillige und einzigartige Form des Bergs ist Zeugnis seiner tektonischen Geschichte. Er bildet das südwestliche Ende eines von mehreren Verwerfungen begrenzten Gesteinsblocks, der ziemlich geknautscht wurde. Wie Philip S. Prince von der Virginia Division of Geology and Mineral Resources in einem Blogbeitrag mit Hilfe von Knetmasse demonstriert, bildeten die Gesteinsschichten durch diese Kompression eine steil aufgestellte Doppelfalte, die gekippt und gequetscht wurde. Dann trugen Wind und Wetter den oberen Teil der Formation ab, so dass man quasi von oben auf den Querschnitt der Struktur blickt, die nach Nordosten in den Untergrund verschwindet.

Dass der Berg die Faltenstruktur so deutlich und präzise nachzeichnet, ist einer weiteren geologischen Besonderheit geschuldet. Die Schichtung besteht aus Sedimentgesteinen, die sich in einem Zeitraum von etwa 100 Millionen Jahren ablagerten. Zuunterst, im Südwesten, liegen Kalksteine und weiche Schiefer, weiter im Nordosten dann ebenfalls Schiefergesteine, die vom Wasser leicht abgetragen werden, wie man an den Rinnen in den Berghängen sieht. Der Gipfelkamm des Cove Mountain dagegen besteht aus einer etwa 300 Meter dicken Schicht hartem Sandstein, der sich im Silur vor ungefähr 430 Millionen Jahren ablagerte und sich dem Verfall widersetzt.

Die lang gezogenen Höhenrücken zu beiden Seiten von Cove Mountain bestehen ebenfalls aus hartem Sandstein, der scharf zwischen weichen Schichten herausgewittert ist. Doch der seltsam geformte Berg ist, anders als es den Anschein hat, nicht das Verbindungsstück zwischen ihnen, sondern ein älterer Eindringling. Als sich die Sandsteine der Bergketten ablagerten, waren die Gipfelschichten des heutigen Cove Mountain bereits rund 100 Millionen Jahre alt.

21/2018

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 21/2018

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