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Die Wiederentdeckung Amerikas

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Die Waldseemüller-Karte

Seine Weltkarte aus dem Jahr 1507, auf der erstmals die Neue Welt den Namen "America" trägt, machte Martin Waldseemüller (um 1470–1522) weltberühmt. Doch nur eine Handvoll Exemplare sind bis heute von den Arbeiten des deutschen Kartografen erhalten geblieben. Ein weiteres, rund 500 Jahre altes Original ist nun sensationell in München wieder aufgetaucht: Bei einer Bestandsprüfung stießen Mitarbeiter der Universitätsbibliothek auf eine der kleineren, so genannten Globussegmentkarten Waldseemüllers.

Die zirka DIN-A4 große Karte setzt sich aus mehreren Spitzovalen zusammen, die auf einem kleinen Globus aneinandergefügt werden können. Auf dem Papierbogen liegt Amerika ganz rechts und besitzt in Waldseemüllers Darstellung die Form eines Bumerangs. Den Namen des Kontinents leitete er von dem Seefahrer Amerigo Vespucci ab, den er fälschlicherweise für den Entdecker der Neuen Welt hielt. Die Karten Waldseemüllers werden daher häufig als "Geburtsurkunde" Amerikas bezeichnet.

"Im Vergleich mit den schon bekannten Exemplaren weist das nun entdeckte Stück einige Varianten auf und darf somit als einzigartig gelten", so Sven Kuttner, Leiter der Abteilung Altes Buch an der Münchner UB. So sei etwa Calicut nicht im fünften Kartensegment, sondern im vierten verzeichnet. In jener Küstenstadt war der Portugiese Vasco da Gama 1498 an Land gegangen und begründete so den Seeweg nach Indien.

Das ungefähre Alter der Münchner Karte konnte Kuttner anhand des Wasserzeichens bestimmen: So sei das Druckwerk etwas jünger als die Erstausgabe von 1507 und stamme womöglich aus dem Elsass. Die Münchner Bibliothekare hatten das Blatt in einem Einband mit gleichaltrigen Drucken zur Geometrie entdeckt. Wie die Karte dorthin gelangte, ist noch nicht eindeutig geklärt.

Vor dem jetzigen Fund waren nur vier Exemplare der alten Globussegmentkarten bekannt. Je eine befindet sich in Minneapolis, Offenburg und in der Bayrischen Staatsbibliothek, die letzte wurde 2005 im Auktionshaus Christies’s für eine Million US-Dollar versteigert. Das einzige Überbleibsel der originalen großen Weltkarte befand sich ursprünglich in deutschem Besitz. 2007 schenkte es Bundeskanzlerin Angela Merkel als Zeichen der Freundschaft an die USA.

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