Direkt zum Inhalt

Kurioser Fund: Ein Ammonit in Bernstein

Die Schale des Meerestieres verfing sich vor 100 Millionen Jahren in Baumharz - und wurde nun in Myanmar gefunden. Leider gehörte es wohl nicht zu einer Gattung Baumkronen bewohnender Kopffüßer.
Ein Ammonit, eingeschlossen in kreidezeitlichem Bernstein.Laden...

Großaufnahme des in Bernstein eingeschlossenen Ammoniten

Die gewundenen, geriffelten Schalen der Ammoniten gehören zu den bekanntesten Fossilien überhaupt. Über einen Zeitraum von 350 Millionen Jahren findet man sie in den Ablagerungen urzeitlicher Meere. Nun aber tauchte eines dieser ikonischen Tiere in einer äußerst ungewöhnlichen Situation auf: gefangen im Harz eines 100 Millionen Jahre alten Baumes, dessen Versteinerung aus einem Bernsteinbergwerk im nördlichen Myanmar stammt. Ein Team um Tinting Yu von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften stellt den Fund nun in »PNAS« vor; es ordnet das etwa zwölf Millimeter messende Fossil der Gattung Puzosia aus der mittleren Kreidezeit zu.

Unglücklicherweise enthüllt der Fund keine völlig neue Gattung baumlebender Schalentiere, die sich über den Köpfen der Dinosaurier durch vorzeitliche Baumkronen schwangen oder über die Äste balancierten. Die chinesische Arbeitsgruppe argumentiert überzeugend, das Tier sei, ebenso wie die anderen Überreste von Meerestieren, längst tot gewesen, als es sich im Baumharz verfing. Dafür spreche, dass das Gehäuse anscheinend mit grobem Sand gefüllt ist, außerdem sei die Oberfläche stellenweise abgeschmirgelt. Vermutlich also lag der kleine Ammonit schon eine Weile als leere Schale am Strand, wie an heutigen Ufern die Schalen von Muscheln und Schnecken, bevor das Gehäuse durch Wind oder Wellen gegen einen nahen Baum geworfen wurde. Kein Ammonit sprang jemals aus dem Geäst auf einen Dinosaurier herab, um seine ahnungslose Beute mit seinen Tentakeln zu erwürgen. Leider.

20/2019

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 20/2019

Lesermeinung

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnervideos