Seltener Fund: Ein Hügel aus Hunderten Amphoren auf dem Meeresgrund

Amphoren in Reih und Glied
Als Giacomo De Mola, Weltmeister im Speerfischen, gemeinsam mit seinem Sportskollegen Igor Bisulli einige Kilometer vor die Westküste Siziliens hinausfuhr und in eine Tiefe von 46 Metern hinabtauchte, traute er seinen Augen nicht: Hunderte Amphoren lagen in Reih und Glied auf dem Meeresboden – gerade so, als seien sie noch in einem Schiffsbauch verstaut. De Mola benachrichtigte die Behörden, woraufhin das Meeresdenkmalamt aus Palermo, die Soprintendenza del Mare, Polizeitaucher und eine Spezialeinheit der Carabinieri zum Schutz von Kulturgütern ausrückten. Bislang wissen die Fachleute nicht viel über das gesunkene Schiff und seine gut erhaltene Fracht, berichtet Salvatore Emma von der Soprintendenza del Mare, die Anfang August den Fund bekanntgab. Einigermaßen sicher sei aber, dass man auf die Überreste eines römischen Transportschiffs aus dem 2. oder 1. Jahrhundert v. Chr. gestoßen ist.
Der Berg aus Amphoren am Meeresgrund erstreckt sich auf einer Länge von 21 Metern, ist ungefähr sechs Meter breit und zwei Meter hoch. Vom Schiff selbst sind offenbar keine Partien mehr erhalten. Ihre Erkenntnisse schöpfen die Fachleute aus ersten Tauchgängen, bei denen sie auch Material für eine photogrammetrische Aufnahme sammelten. Dabei wurden zahlreiche Einzelfotos zu einem Orthofoto (siehe Bild) zusammengeführt.
Das Schiff aus republikanischer Zeit war westlich des heutigen Küstenorts Mazara del Vallo gesunken. Geladen hatte es Amphoren, die Archäologen bisher vor allem dem Typus Dressel 1A zuschreiben. Diese Frachtbehälter, die etwa ab 130 bis vielleicht 50 v. Chr. in Gebrauch waren, wurden meist mit Wein aus der Gegend zwischen Rom und Neapel befüllt. Die Datierung der Amphoren liefert ein Indiz dafür, wann das Schiff selbst unterwegs war. »Wir haben auch einige Amphoren vom Typ Lamboglia 2 und eine punische Amphora gesichtet«, erklärt Salvo Emma. Lamboglia 2 kam ebenfalls ab dem späten 2. und im 1. Jahrhundert v. Chr. zum Einsatz; in ihnen transportierte man vor allem Wein. Bei den Amphoren lagen auch zwei etwa 1,70 Meter lange Anker aus Blei. »Außerdem fand sich ein Bleirohr, ungefähr 1,5 Meter lang, das vermutlich zur Bilgepumpe gehört«, berichtet Emma. Mit diesem Gerät beförderte man eingelaufenes Wasser aus dem Schiffsrumpf.
Woher kam das Schiff, wohin fuhr es? Was wurde in den Amphoren befördert? Das wisse man noch nicht, erklärt Emma. Bald werde man aber unter Wasser einen kleinen Suchgraben anlegen. Im Herbst 2026 sollen dann die weiteren Forschungen beginnen.
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