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Ökosysteme: Gesunde Jagd

Elche mit einer entzündlichen Gelenkerkrankung werden häufiger von Wölfen gejagt als ihre gesunden Altersgenossen. Dadurch bleibt ihre Population insgesamt gesünder.
Alces alces

Alces alces

Normalerweise stehen Elche (Alces alces) auf der Beuteliste zahlreicher Fressfeinde. Nicht aber die im US-amerikanischen Isle-Royale-Nationalpark – einem im Oberen See gelegenen Archipel – beheimateten Tiere: Ihr einziger Fressfeind ist der Wolf. Der Jäger hält die Population seiner Beutetiere in Schach. Davon profitieren nicht nur die lokale Flora und andere Tierarten, die sich von den verbliebenen Überresten ernähren, sondern auch die Elche selbst, wie Forschende zeigen.

Die Wölfe jagen besonders häufig ältere Tiere und solche, die an Osteoarthritis leiden – eine chronische Gelenkentzündung, deren Auftreten auch genetisch beeinflusst wird. Durch die selektive Jagd bleibt die Elchpopulation insgesamt gesünder. Zu diesem Schluss kommen Forschende um Sarah Hoy von der Michigan Technological University im Fachmagazin »Frontiers in Ecology and Evolution«.

Zwischen 1959 und 2007 untersuchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Kadaver von über 1400 Elchen und bestimmten ihre jeweilige Todesursache. Ob und wie stark eine Gelenkentzündung vorlag, stellten sie anhand typischer Krankheitszeichen wie dem Verlust von Knorpel an Wirbel- und Hüftgelenken fest. Die Auswertung ihrer Daten ergab, dass sich Wölfe normalerweise auf ältere Tiere konzentrierten und jüngere, ausgewachsene Elche mieden. Waren diese allerdings schwer an einer Osteoarthritis erkrankt, wurden sie häufiger gejagt als ihre gesunden Altersgenossen. Zudem konnten die Forschenden zeigen, dass sich ein Rückgang der Elchjagd auf das Auftreten der Osteoarthritis auswirkte: Wurden die Beutetiere weniger stark gejagt, erkrankten in den nachfolgenden Jahren mehr Tiere an der Gelenkkrankheit. Dieser Effekt kehrte sich um, sobald die Elche wieder verstärkt von Wölfen erlegt wurden.

Die Rückkehr des Wolfes ist nicht überall gern gesehen. Die Sorge besteht, dass sie Menschen gefährden und verstärkt Jagd auf Nutztiere machen. Das Team um Hoy spricht sich jedoch gegen die Wolfsjagd aus: Ihre Forschung sei ein weiteres Beispiel dafür, wie wichtig die Prädatoren aus ökologischer und evolutionärer Sicht für ihr Ökosystem sind.

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