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Federkleid: Bunt, bunter, Tropenvogel

Je näher am Äquator, desto bunter ist das Gefieder der Vögel. Das fiel schon den Gelehrten des 19. Jahrhunderts auf. Woran das liegen könnte, kam nun heraus.
Gefieder ganz nah

Gefieder ganz nah

Amseln, Spatzen oder Elstern – in den Breiten Mitteleuropas streifen kaum Vögel mit auffällig buntem Gefieder umher. Das wäre auch nicht zu erwarten, wie nun Forschende im Fachblatt »Nature Ecology & Evolution« darlegen. Christopher Cooney von der University of Sheffield und seine Arbeitsgruppe untersuchten dazu die Farbigkeit innerhalb der umfangreichen Ordnung der Sperlingsvögel (Passeriformes). Es zeigte sich: Je näher die Tiere am Äquator leben, desto farbiger ist ihr Gefieder.

Für seine Studie fotografierte das Team konservierte Exemplare von mehr als 4500 verschiedenen Arten an Sperlingsvögeln, die im Natural History Museum im englischen Tring aufbewahrt werden. Das entspricht ungefähr 76 Prozent aller Passeriformes weltweit. Jedes Exemplar wurde von drei Seiten aufgenommen, und daran wurden 1500 Farbmesspunkte identifiziert. Anschließend werteten die Wissenschaftler die Bilddaten per Deep Learning aus und dokumentierten so den Farbigkeitsgrad des Gefieders. Dann kartierten sie, wo auf der Welt sich die Habitate der untersuchten Vogelarten befinden.

Richtung Pole nimmt die Buntheit ab, Richtung Äquator zu

Dass das Federkleid mit größerer Nähe zum Äquator bunter wird, fiel bereits Forschungsreisenden wie Alexander von Humboldt (1769–1859) oder Charles Darwin (1809–1882) auf. Cooney und sein Team wiesen nun nach, dass es bei den Sperlingsvögeln tatsächlich einen Zusammenhang zwischen Breitengrad und Farbigkeit gibt. Die buntesten Vögel kommen laut der Arbeitsgruppe in feuchten, nahrungsreichen und vor allem dichten Waldgebieten vor. Und meist handelt es sich um Arten, die sich von Blütennektar und Früchten ernähren. In solchen Lebensräumen sei es offenbar wichtig, dass sich die Tiere klar kenntlich machen können, auch um sich von den anderen Vogelarten absetzen und sich innerhalb einer Spezies erkennen zu können.

Derartige Muster oder Gefälle kennen Fachleute bereits: So ist schon länger bekannt, dass etwa die Artenvielfalt je nach Breitengrad einer Region unterschiedlich ausgeprägt ist. Dieses Phänomen trägt den Namen latitudinaler Gradient der Biodiversität. In den Polregionen ist die Artenvielfalt am niedrigsten, in den Tropengebieten am höchsten.

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