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Simulierte Versteinerung: Fossilien zum Selberbacken

Um zu verstehen, wie Millionen Jahre im Gestein eine Echsenhaut umbauen, wollen Forscher nicht ewig warten. Diese Fossilien entstanden im Hochdruckbackofen.
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Was hier in eine feste Gesteinshülle eingebettet ist, stammt nicht aus einer fernen geologischen Epoche, sondern aus einem Labor der University of Bristol: Jakob Vinther und Kollegen haben dort mit Hitze und einer leistungsstarken Presse erreicht, wozu die Natur tonnenweise Gestein und Millionen Jahre braucht.

Indem sie Fossilien künstlich erzeugen, wollen die Forscher um Vinther besser verstehen, was mit den verschiedenen Gewebearten im Lauf der Fossilisation geschieht. Anders als bei echten Fossilien ist bei der Simulation das Ausgangsmaterial – wie hier der Fuß einer Echse der Gattung Anolis – genau bekannt. Ihre ersten Versuche an Anolis sowie an Hühnerköpfen und -federn, von denen sie in »Paleontology« berichten, ergaben beispielsweise, dass bei Federn ausschließlich das dunkle Pigment Melanin den langen Prozess übersteht und nicht, wie angenommen, ein Netz aus Keratin und Melanin. Weiße Federn ohne Melanin würden demnach überhaupt keinen Abdruck im Gestein hinterlassen, erläutert das Magazin »Science« die Ergebnisse.

Um die Kunstfossilien zu erzeugen, schließen Vinther und sein Team die Gewebeproben in knapp anderthalb Zentimeter großen Zylindern in Lehm ein und pressen das Ganze 24 Stunden lang bei rund 240 Bar und 250 Grad Celsius. Damit simulieren sie mehrere zehn Millionen Jahre im Gestein in 800 Meter Tiefe. »Wir sind nicht die Ersten, die so etwas versuchen«, sagt Hauptautor Evan Saitta, ebenfalls in »Science«. Aber da sich Fachkollegen schon ernsthaft nach Alter und Fundort ihrer Fake-Fossilien erkundigt hätten, seien »unsere Verfahren bislang die besten«.

33/2018

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 33/2018

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