Sternentstehung im Orion: Galaktischer Kindergarten

Trubel im Orion-Molekülwolkenkomplex
Wer nach einem dynamischen und dichten Sternentstehungsgebiet sucht, muss nicht weiter als bis zum Sternbild Orion blicken. Dort liegt in rund 1300 Lichtjahren Entfernung zur Erde eine der aktivsten Regionen unserer Galaxis. Der wohlbekannte Orionnebel (M 42) bildet nur einen kleinen, mit dem bloßen Auge sichtbaren Teil des gewaltigen Orion-Molekülwolkenkomplexes. Die Region ist im Visuellen jedoch weitgehend undurchsichtig, sodass die dahinterliegenden Strukturen verborgen bleiben.
Der Infrarotblick des NIRCam-Instruments an Bord des James-Webb-Weltraumteleskops (JWST) vermag dagegen den Schleier zu lüften. Wir blicken hier auf einen kleinen Teil der Orion-Molekülwolke 2 (OMC-2), ein wenig nördlich des Orionnebels. Bei Wellenlängen zwischen 1,87 und 4,8 Mikrometern offenbaren sich nahezu alle Entwicklungsstadien junger Sterne: von noch in Gas und Staub eingebetteten Protosternen über protoplanetare Scheiben bis hin zu jungen, bereits sichtbaren Sternen. Man erkennt spektakuläre, weißlich glühende Gasströme. Diese werden an den Polen junger Protosterne mit hoher Geschwindigkeit ausgestoßen. Dort, wo die Materie auf den umliegenden, dichten Staub trifft, leuchtet das aufgeheizte Gas auf. In dem »nur« 150 Lichtjahre breiten Himmelsausschnitt lassen sich eine Vielzahl solcher Herbig-Haro-Objekte erkennen. Sie schneiden leuchtende rote Grate in das umliegende Material und verraten, wo gerade neue Sterne entstehen.
Die verschiedenen zugeordneten Farben geben Aufschluss über die chemische Zusammensetzung der Materie und die dahinterliegenden physikalischen Prozesse. Blau- und Türkistöne markieren Sternenlicht, das an Staubkörnern gestreut wird, während Gelb- und Grüntöne auf die Anwesenheit komplexer Kohlenwasserstoffmoleküle hindeuten. Orangefarbene und bräunliche Bereiche können wärmerem Staub zugeordnet werden. Die dunklen, fast schwarzen Bereiche zeigen dichten, kalten Staub, der selbst Infrarotstrahlung verschluckt.
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