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Genanalyse: Die Herkunft der mysteriösen Seidenstraßenmumien

Die bronzezeitlichen Mumien aus dem Tarimbecken Chinas passen scheinbar so gar nicht in das kulturelle Umfeld ihres Fundorts. Nun haben Genetiker die Herkunft der Menschen geklärt.
Die Toten von Xiaohe

Die Toten aus dem Tarimbecken

Die Mumien von Xiaohe oder Gumugou erstaunen und geben Rätsel auf: Die im trockenen Tarimbecken Chinas konservierten Leichname waren vor rund 4000 Jahren in Bootssärgen bestattet worden, sie tragen bunte, gefilzte oder gewebte Wollkleidung, und ihr Aussehen ließ Forscher vermuten, dass es sich um Einwanderer gehandelt haben muss. Doch nun ergaben Genanalysen internationaler Experten um Fan Zhang von der Jilin University in China: Keine Abkömmlinge weit entfernter Gruppen seien die Menschen gewesen, sondern sie hätten seit mindestens 9000 Jahren in dieser Region an der Seidenstraße gelebt und stammten von hiesigen Jägern und Sammlern ab.

Bisher haben Experten drei Thesen entwickelt, weshalb die Mumien nicht zu den übrigen Bronzezeitkulturen jener Region passen würden. Da wäre die Steppen-Hypothese: Die Menschen seien im Grunde Nachkommen von Jamnaja-Hirten gewesen, die aus den Steppen der Schwarzmeerregion im heutigen Südrussland einwanderten. (Auf diese Gruppe geht auch eine große Einwanderungswelle nach Europa im 3. Jahrtausend v. Chr. zurück.) Dann gibt es die Oasen-Hypothese: Der Ursprung der Menschen läge in den zentralasiatischen Wüstenoasen-Kulturen im heutigen Turkmenistan. Und als dritte These favorisieren einige Fachleute, dass die Vorfahren zu nomadischen Gemeinschaften gehörten, die aus den innerasiatischen Gebirgsregionen von Tienschan und dem Altai gekommen seien, also aus der Grenzregion von Kasachstan und China.

Um nun die genaue Herkunft zu klären, sequenzierte die Arbeitsgruppe die kompletten Genome von 13 Mumien des Tarimbeckens aus der Zeit von ungefähr 2100 bis 1700 v. Chr. Zudem untersuchten sie fünf Individuen aus dem benachbarten Dsungarischen Becken, deren Überreste in die Zeit von zirka 3000 bis 2800 v. Chr. zurückreichen. Das Ergebnis veröffentlichten die Forscher im Fachblatt »Nature«: Offenbar gehen die Menschen auf eine lokale Bevölkerung zurück, die schon viele Jahrtausende in der Region gelebt hatte. So waren sie eng mit den so genannten »Ancient North Eurasians« verwandt. Diese hatten einst als Jäger und Sammler die Weiten Eurasiens bewohnt. In heutigen Gruppen finden sich nur wenige Genschnipsel von ihnen – das größte Erbe mit einem Anteil von rund 40 Prozent tragen etwa die First Peoples in Amerika oder indigene Gemeinschaften Sibiriens in ihren Genomen.

Obwohl die Menschen von Xiaohe oder Gumugou nun als genetisch isolierte Gruppe gelten können, legt ihre Lebenskultur das Gegenteil nahe. Wie archäologische Funde und Daten aus Zahnsteinanalysen ergaben, ernährten sich die Bauern und Viehzüchter von Weizen und Milchprodukten aus Westasien, sie aßen Hirse aus Ostasien und nutzten Pflanzen aus der Gattung der Meerträubel (Ephedra) aus Zentralasien.

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