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Botschaft der Bohrkerne: Grönland schmilzt seit 150 Jahren

Grönlands Eispanzer schrumpft seit einigen Jahren deutlich - doch schrumpft er wirklich stärker als vor Jahrzehnten? Eine neue Analyse 350 Jahre zurückreichender Eisbohrkerne klärt diese Frage.
Eisbohrkern von der grönländischen Eiskappe steckt noch im Hohlbohrer.

Eisbohrkern von der grönländischen Eiskappe

Ein Bohrkern von der grönländischen Eiskappe steckt noch im hohlen Bohrgestänge, mit dem er aus dem Eis gefräst und an die Oberfläche geholt wurde. Ein Team um Luke Trusel von der Rowan University barg die Stangen aus zusammengedrücktem, teils jahrhundertealten Schnee, um die Schmelzraten des Eisschildes über die letzten Jahrhunderte zu untersuchen.

Auch in den hohen Lagen der Eiskappe schmilzt der Schnee im Sommer – doch er kommt nicht weit. Das wenige Schmelzwasser bleibt in den darunterliegenden Schneeschichten hängen und gefriert im Winter wieder. In Eisbohrkernen zeichnen sich diese Schmelzschichten als Lagen kompakten Eises ab, die auch Jahrhunderte später noch von der kurzen Wärmeperiode zeugen.

Sie verraten allerdings noch viel mehr, berichtet nun Trusels Team in »Nature« – nämlich wie stark der Schnee schmolz: Je dicker die Schicht kompakten Eises, um so intensiver die Schmelze. Mit einem Hohlbohrer, so dick wie ein Laternenpfahl, barg die Arbeitsgruppe Eiskerne aus den letzten etwa dreieinhalb Jahrhunderten.

Die Proben sprechen, so das Team, eine deutliche Sprache: Als sich im mittleren 19. Jahrhundert die ersten Industriegesellschaften entwickelten, begann das Eis auf der arktischen Insel schneller zu schmelzen. Der Vorgang beschleunigte sich allerdings in jüngster Zeit dramatisch: Etwa um die Hälfte mehr Wasser als zu Beginn der Industrialisierung fließt von Grönland ins Meer, doch er größte Teil dieses Anstieges fand seit der Jahrtausendwende statt.

49/2018

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 49/2018

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