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Gyotaku: Fischvielfalt in Schwarz auf Weiß

Stolze japanische Angler verewigen ihren Fang mitunter per »Gyotaku«. Heute verrät die Drucktechnik den Biologen eine Menge über das Leben im Meer.
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Zu Papier gebracht

In den Zeiten vor Smartphone und Digitalkamera war es vermutlich die beste und einfachste Methode, um sein Anglerglück für die Ewigkeit zu konservieren: einfach den Fisch mit Tinte einreiben und ein großes Blatt Papier auflegen. Eckdaten des Fangs, wie zum Beispiel Art, Gewicht, Größe, Datum und natürlich wer ihn an Land zog, notieren, und fertig ist ein »Gyotaku«. Der Name der Drucke leitet sich von den japanischen Wörtern »Fisch« und »Abdruck« oder »Abklatsch« ab. Die ältesten erhaltenen Exemplare stammen aus dem Jahr 1839, der ungefähren Entstehungszeit dieser Technik.

Inzwischen jedoch droht die Tradition der Gyotaku-Drucke zu verschwinden, weshalb Yusuke Miyazaki vom Shiraume Gakuen College in Tokio und Atsunobu Murase von der Universität von Miyazaki sich in Läden für Anglerbedarf auf die Suche nach vorhandenen Exemplaren machten. Ihre Hoffnung: Anhand der darauf festgehaltenen Informationen sollten sich Rückschlüsse auf die Veränderungen im Meer rund um Japan ziehen lassen. Wie sie nun in der Fachzeitschrift »ZooKeys« berichten, ist dies tatsächlich der Fall. So konnten sie beispielsweise feststellen, dass ältere Gyotaku noch Fischarten verzeichnen, die in den entsprechenden Fanggründen längst ausgestorben sind.

In einer online zugänglichen Bildergalerie führen sie alle 261 Fundstücke auf, die ihre Suche ergab. Die meisten davon stammen aus den Jahren nach 2000, aus der Zeit vor den 1980er Jahren ließen sich dagegen kaum noch Gyotaku auftreiben. Bei dem Fisch auf dieser Abbildung handelt es sich um eine 57 Zentimeter lange Meerbrasse der Art Acanthopagrus schlegelii, die 2008 gefangen wurde – und zwar mit einer maßgefertigten Angelrute.

05/2020

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 05/2020

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