Direkt zum Inhalt

Israel: Lauskamm mit Zauberformel

Vor vermutlich 3700 Jahren hat ein Mann den Wunsch aufgeschrieben, seine Peiniger loszuwerden – auf einen Kamm aus Elfenbein. Möge das Gerät alle Läuse ausmerzen!
Bronzezeitlicher Lauskamm

Bronzezeitlicher Lauskamm

Auf einem schätzungsweise 3700 Jahre alten Elfenbeinkamm aus Tell Lachisch in Israel haben Forschende eine seltene Inschrift entdeckt. Übersetzt lautet sie: »Möge dieser Stoßzahn die Haar- und Bartläuse ausrotten.« Der Satz besteht aus Buchstaben einer frühen Alphabetschrift, die Fachleute der so genannten kanaanitischen Kultur zuordnen. Bislang seien aus der Anfangsphase der Schriftentwicklung nur einzelne Buchstaben oder Wörter überliefert, die Inschrift würde nun den ersten vollständigen Satz belegen.

Eine Arbeitsgruppe um den Archäologen Yosef Garfinkel von der Hebrew University in Jerusalem hat den Kamm bereits 2016 bei Grabungen in den Stadtüberresten von Tell Lachisch geborgen. 2021 entdeckte eine Mitarbeiterin dann 17 Buchstaben auf dem Griff des Objekts. Ihre Ergebnisse haben die Forschenden in der Zeitschrift »Jerusalem Journal of Archaeology« veröffentlicht.

Der handliche Kamm ist lediglich 3,5 Zentimeter lang und 2,5 Zentimeter breit. Die Zähne waren wohl schon im Altertum abgebrochen. Das Gerät hatte zwei Seiten, eine jede mit einer unterschiedlichen Zahl an Zähnen: auf der einen 6, auf der anderen 14. Wie die Forscherinnen und Forscher meinen, ähnelt das Objekt einem modernen Lauskamm. Im Mikroskop entdeckten sie dann tatsächlich die Chitinhülle einer Laus. Weitere naturwissenschaftliche Untersuchungen legen zudem nahe, dass der Kamm aus dem Stoßzahn eines Elefanten gefertigt wurde, wie es auch in der Inschrift anklingt. Das Material dürfte laut der Ausgräber aus Ägypten gekommen sein, da in der Levante keine Elefanten heimisch waren.

Ob der Fund tatsächlich 3700 Jahre alt ist, konnten die Ausgräber jedoch nicht zweifelsfrei klären. Mit Hilfe der Radiokohlenstoffmethode gelang ihnen kein Ergebnis. Über den Fundkontext können sie das Alter angeblich nicht bestimmen: Der Kamm lag in einer Grube mit Gefäßscherben, die allerdings von Keramiken aus dem 7. bis 6. Jahrhundert v. Chr. stammen. Ältere Objekte könnten also zu einem späteren Zeitpunkt in die Grube gelangt sein. Die Datierung des Funds beruht daher ausschließlich auf dem Schriftstil, der nach Ansicht der Forschenden in ein Zeitfenster von 1700 bis 1550 v. Chr. passt. Vergleichbare Funde von Kämmen aus Tell Lachisch gehören ins 12. Jahrhundert v. Chr., heißt es in der Studie der Arbeitsgruppe. Womöglich lässt sich das Alter des Kamms erst durch weitere Funde und künftige Studien sicher bestimmen.

Schreiben Sie uns!

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte

Bitte erlauben Sie Javascript, um die volle Funktionalität von Spektrum.de zu erhalten.