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Startschuss für ITER-Montage : Kernfusionsreaktor bereit für Zusammenbau

Am ITER sollen in einigen Jahren Atomkerne verschmelzen - ähnlich wie in der Sonne. Am 28. Juli 2020 startet die Montage des Reaktors offiziell.
Anlieferung von Komponenten für den Kernfusionsreaktor am ITERLaden...

Kernfusionsreaktor bereit für Montage

Am 28. 7. 2020 um 10 Uhr wird der französische Präsident Emmanuel Macron und führende Politiker der Europäischen Union, Chinas, Indiens, Japans, Koreas, Russlands und der Vereinigten Staaten den offiziellen Beginn der Montage des weltgrößten Fusionsreaktors am ITER in Südfrankreich erklären (Livestream). Der Beginn dieser Phase wird durch die Ankunft von Komponenten aus der ganzen Welt in den letzten Monaten ermöglicht. Das Bild zeigt etwa die Lieferung einer Ringkernfeldspule aus Japan, die am 3. Juli eingetroffen ist. Sie wird Teil des 1200 Tonnen schweren Unterbaus des Vakuumbehälters des ITER-Reaktors bilden.

Die ITER-Maschine ist das weltweit größte wissenschaftliche Projekt. Insgesamt sind 35 Länder beteiligt. Der Reaktor soll die Fusionskraft der Sonne nachbilden, bei der die leichtesten und häufigsten Atomkerne – Wasserstoffkerne – zu Heliumkernen verschmelzen und dabei sehr viel Energie frei wird. Die Beteiligten hoffen, dass sie mit ITER zeigen können, dass Kernfusionsenergie im kommerziellen Maßstab nachhaltig erzeugt werden kann. Die Anlage im ITER soll etwa 500 Megawatt thermische Leistung produzieren. Bei kontinuierlichem Betrieb und Anschluss an das Stromnetz ergäbe dies eine elektrische Leistung von etwa 200 Megawatt, genug für rund 200 000 Haushalte.

Erst gilt es aber, etliche Herausforderungen zu meistern. Auf der Erde braucht es beispielsweise deutlich höhere Zündtemperaturen als im Sonneninnern, weil das irdische Plasma eine viel kleinere Dichte aufweist. Der Testbetrieb soll Ende 2025 aufgenommen werden; zehn Jahre später rechnet man mit realistischen Experimenten zur Fusion. Doch bereits in der Vergangenheit kam es immer wieder zu Verzögerungen bei dem im Jahr 2007 gestarteten Projekt.

31/2020

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 31/2020

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