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Archäologie: Kult am azurblauen Felsenstrand

Wirklich groß ist dieses Inselchen vor dem Kykladen-Eiland Kythnos nicht. Dafür hat es der Ort archäologisch in sich: Griechische Ausgräber entdeckten dort antike und frühchristliche Bauten.
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Kultbauten auf Felseneiland

Azurblaues Meer, zerklüftete Felsen, sanft grüne Macchia – das kleine Felseneiland Vryokastraki wirkt aus dieser Perspektive sehr einladend. Ein ägäischer Urlaubsinseltraum, der aber nur ungefähr 200 mal 200 Meter misst. Damit taugt das Mini-Eiland kaum für einen Ferienaufenthalt, doch für Archäologen gibt die Felseninsel einiges her.

Vryokastraki liegt vor der Westküste der Kykladeninsel Kythnos, ungefähr auf der Höhe des einstigen antiken Hauptorts. Forscher der Universität Thessalien in Volos haben im Sommer 2019 auf Vryokastraki die Reste eines antiken Tempels und Teile einer Befestigung frei gelegt. Eine dreischiffige, frühchristliche Basilika aus dem 5. bis 7. Jahrhundert n. Chr., die sie schon zuvor entdeckt hatten, gruben sie nun vollständig aus. Die Felseninsel war offenbar viele Jahrhunderte lang ein Kultort. Verehrten die Menschen vom benachbarten Hauptort anfangs dort eine bislang unbekannte griechische Gottheit, kamen sie später für den christlichen Gott auf das Inselchen.

Von dem antiken Tempel (im Bild ganz links) ist durch spätere Überbauungen nicht viel übrig geblieben – eine Stützmauer und ein Altar, der aus dem Felsen gehauen wurde. Dass es sich um ein Heiligtum handelte, bestätigen aber Fragmente von Weihgeschenken, Tongefäße und -figuren, die aus geometrischer und archaischer Zeit stammen, also aus der ersten Hälfte des 1. Jahrtausends v. Chr.

Die spätantike Befestigung (im Bild ganz unten) besteht aus einer Reihe von rechteckigen Räumen und wurde an Stelle eines älteren Baus errichtet. Der Bau schützt die einzig zugängliche Stelle auf dem winzigen Eiland. Dort kamen auch Keramiken und Obsidiangeräte ans Licht, die deutlich älter sind. Die Ausgräber datieren sie in frühkykladische Zeit, ins 3. Jahrtausend v. Chr.

Von der frühchristlichen dreischiffigen Basilika (in der Bildmitte) haben sich zahlreiche Architekturteile erhalten, unter anderem auch Stücke aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. und dem 1. Jahrhundert n. Chr., die für den spätantiken Kirchenbau wiederverwendet wurden. Keiner der Funde auf Vryokastraki geht über das 7. Jahrhundert n. Chr. hinaus. Zu jener Zeit wurde offenbar der nahe gelegene Hauptort auf Kythnos verlassen. Und damit blieben auch die Kirchenbesucher auf der winzigen Felseninsel aus.

38/2019

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 38/2019

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