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Planetarischer Nebel: Webb lauscht dem Löwengebrüll

Neue Aufnahmen des James-Webb-Weltraumteleskops zeigen den Planetarischen Nebel NGC 2392 in beeindruckendem Detailreichtum. Das Kompositbild im nahen und mittleren Infrarot macht feinste Strukturen aus Gas und Staub sichtbar, die in früheren Beobachtungen im Visuellen bislang verborgen blieben.
Ein farbenfrohes astronomisches Bild zeigt einen planetarischen Nebel im Weltraum. Im Zentrum befindet sich eine komplexe, symmetrische Struktur aus leuchtenden Gasen in Rosa- und Blautönen, die von einem äußeren, bläulichen Halo umgeben ist. Der Hintergrund ist mit zahlreichen kleinen, leuchtenden Sternen und Galaxien übersät. Der Nebel hebt sich deutlich vom dunklen, sternenreichen Hintergrund ab und zeigt die dynamische Schönheit kosmischer Phänomene.

Die vergängliche Pracht von NGC 2392

Manchmal reicht auch ein Blick ins All, um einem Löwen gegenüberzustehen. Den Eindruck vermittelt zumindest die Aufnahme des James-Webb-Weltraumteleskops (JWST) vom Planetarischen Nebel NGC 2392, dessen markantes Erscheinungsbild an das Antlitz eines männlichen Löwen erinnert. Das zusammengesetzte Bild kombiniert Daten der Near-Infrared-Camera (NIRCam) und des Mid-Infrared-Instruments (MIRI) im infraroten Wellenlängenbereich zwischen 1,15 und 10 Mikrometern und erstreckt sich über einen Bildbereich von 1,77 Bogenminuten. Zum Vergleich: Der scheinbare Monddurchmesser beträgt im Mittel rund 30 Bogenminuten. Der hier erfasste Himmelsausschnitt – und damit auch das Objekt selbst – umfasst nur einen Bruchteil dieser Fläche.

NGC 2392 liegt etwa 4200 Lichtjahre von der Erde entfernt im Sternbild Zwillinge (lateinisch: Gemini) und entstand zum Ende eines sonnenähnlichen Sterns. Als diesem der Brennstoff für die Fusion von Wasserstoff ausging, begann er, seine äußeren Hüllen ins umliegende interstellare Medium abzustoßen – sie bilden den heute sichtbaren Teil des Planetarischen Nebels. Sein Kernbereich schrumpfte, und zurück blieb ein extrem heißer Weißer Zwerg, dessen energiereiche Strahlung die umliegenden Gas- und Staubschichten sowohl formt als auch aufleuchten lässt.

Als »Nase« des kosmischen Löwen sitzt der Weiße Zwerg im Zentrum des Nebels. Deutlich sind die achtstrahligen Beugungsmuster des JWSTs zu erkennen. Den Bereich des »Gesichts« bilden blasen- und schalenartige Strukturen aus ionisiertem Wasserstoff. Zwei weite Bögen am oberen Rand erinnern an die Ohren eines Löwen. Ein dicker Ring aus Staub, die »Mähne«, umschließt das Gesicht. In dieser lassen sich in Rot und Orange kompakte Materieklumpen erkennen, die der zerstörerischen Strahlung des kompakten Zentralobjekts bisher widerstanden und das dahinterliegende Material schützen. Sie erscheinen wie nach außen gerichtete Kometenschweife. Dazwischen treten Ansammlungen von molekularem Wasserstoff in Gelb hervor. Im Hintergrund sind Sterne unseres Milchstraßensystems und sogar weit entfernte Galaxien zu sehen – einige erscheinen als punktförmige Quellen, andere zeigen deutliche Spiralstrukturen.

Das Brüllen des kosmischen Löwens wird jedoch nicht ewig währen. Planetarische Nebel sind im astronomischen Kontext sehr kurzlebig. Es dauerte zwar mehrere Tausend Jahre, bis die Gase und der Staub ihre heutige Form erreichten. Da der Stern das Material jedoch unaufhörlich weiter nach außen treibt, wird sich der Nebel in etwa 10 000 Jahren immer mehr verdünnen und schließlich vollständig auflösen. Die Aufnahme hält somit einen majestätischen, sogleich aber vergänglichen Moment in der Lebensgeschichte eines sonnenähnlichen Sterns fest.

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