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Ahnenbild der Maori: In Tübingen steht, was James Cook einst aus Neuseeland mitnahm

Vor mehr als 250 Jahren brachte der britische Seefahrer James Cook ein Schnitzbild nach London. Danach landete es im Museum der Universität Tübingen. Jetzt kehrt es heim.
Eine kunstvoll geschnitzte Holztafel mit traditionellen Mustern und Symbolen, die spiralförmige und symmetrische Designs zeigt. Die Tafel hat eine rechteckige Form und ist reich an Details, die an kulturelle und historische Kunstwerke erinnern. Die Oberfläche ist glatt und zeigt eine gleichmäßige, natürliche Holzfarbe.

Das »Pou der Hinematioro«

Eindringliche Augen, die Zunge herausgestreckt und der gesamte Körper bedeckt mit kunstvollen Ornamenten: Das geschnitzte Holzbild »repräsentiert unsere Herrscherin Hinematioro«, sagt Victor Walker, Sprecher der Maori-Gemeinschaft Te Aitanga-a-Hauiti. Will Walker persönlich ins Angesicht von Hinematioros Ahnenbild blicken, dann muss er von Neuseeland nach Tübingen kommen. Seit 1937 bewahrt das dortige Universitätsmuseum das Schnitzwerk aus rotem Tataraholz auf. Nach Europa gelangte es aber viel früher. Im Jahr 1771 brachte es der britische Seefahrer James Cook (1728–1779) nach London. Damals beendete er seine erste Entdeckungsfahrt im Südpazifik, zu der er 1768 mit der »HMS Endeavour« aufgebrochen war.

Das »Pou der Hinematioro« genannte Ahnenbild misst einen Meter in der Höhe und 33 Zentimeter in der Breite. Ursprünglich befand es sich im Versammlungshaus der Te Aitanga-a-Hauiti, die in Uawa an der Ostküste der Nordinsel von Neuseeland leben. Vor mehr als 250 Jahren war Cook dort angelandet. Das erste Aufeinandertreffen mit den Maori Anfang Oktober 1769 mündete in Gewalt. Cooks Leute erschossen mehrere Maori. Anschließend segelte die Crew weiter in die Uawa-Bucht, wo das Treffen mit Hinematioro offenbar friedlicher verlief. Wie James Cook jedoch in den Besitz ihres Pous kam, ist bis heute ungeklärt.

In Tübingen merkte man erst in den 1990er-Jahren, was da genau im hauseigenen Depot schlummerte. Seither ist das Museum in Kontakt mit den Te Aitanga-a-Hauiti, für die das Pou nicht nur Hinematioro repräsentiert, sondern auch »die Reihe ihrer Ahnen bis zum Beginn unserer Zeit als Gemeinschaft«, erklärt Walker laut einer Pressemitteilung. »Das Pou verbreitet Lebenskraft mauri. Wenn wir es berühren oder in seiner Nähe sind, spüren wir den Atem und die Präsenz unserer Ahnen und fühlen uns lebendig.« Nun soll das Ahnenbild wieder heimkehren, wie die Universität Tübingen mitteilt. Im März 2026 will die Hochschule das Pou an die Maori-Gemeinschaft zurückgeben.

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