PMR 1: Blick in ein »kosmisches Gehirn«

Sternentod mit Hirn
Rund 5000 Lichtjahre von uns entfernt, im Sternbild Segel (lateinisch Vela), befindet sich der Planetarische Nebel PMR 1, der hier mit dem James Webb Space Telescope (JWST) im Infraroten untersucht wurde. Wegen seiner charakteristischen Erscheinung, die an ein medizinisches Röntgen- oder Kernspinbild eines menschlichen Schädels mit Großhirn erinnert, wird dieser Nebel im englischen Sprachraum mit dem Spitznamen »Exposed Cranium Nebula« belegt, auf Deutsch etwa: »freiliegendes Großhirn«. Das Bild entstand mit der Near Infrared Camera (NIRCam) an Bord des JWST in vier unterschiedlichen infraroten Wellenlängenbereichen.
Senkrecht von oben nach unten verläuft eine dunkle Zone, die das »kosmische Gehirn« in zwei Hälften teilt, ähnlich wie die Längsfurche des menschlichen Denkapparats. Diese Linie könnte auf einen verstärkten Ausbruch oder Gasausstrom des Zentralsterns zurückgehen. Der geisterhaft wirkende »Schädelknochen« besteht vorwiegend aus Wasserstoff, den der sterbende Stern zu einem früheren Zeitpunkt ausgestoßen hat. Die »Hirnmasse« ist dagegen ein Mix aus unterschiedlichen Gasen und Staub.
Der Zentralstern von PMR 1 ist dabei, sich von einem Roten Riesen zu einem Weißen Zwerg zu entwickeln, und stößt durch einen extrem starken Sternwind große Mengen an Material von seiner Oberfläche ab. Abhängig von seiner Masse wird sich entscheiden, ob es dabei bleibt oder ob er eines Tages als Supernova explodieren wird – dafür muss er mindestend acht Sonnenmassen auf die Waage bringen. Seine genaue Masse ist derzeit allerdings nicht bekannt. Die Aufnahme erstreckt sich am Himmel über eine Breite und Höhe von 2,2 Bogenminuten (eine Bogenminute ist der 60. Teil eines Grads), was in der Entfernung von PMR 1 rund 3,5 Lichtjahren entspricht.
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