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Ökologie: Jäger des nebulösen Frosches

Nach 40 Jahren finden Fachleute in Peru die lebenden Artgenossen eines rätselhaften Kadavers. Dank der Entdeckung können sie das Tier nun systematisch zuordnen.
Der Frosch Pristimantis nebulosus hat einen orangefarbenen Rücken und einen gelben Bauch.

Pristimantis nebulosus

Es reicht nicht, eine neue Art bloß zu entdecken. Man muss auch herausfinden, wie sie mit ähnlichen Arten verwandt ist und welche Position sie im großen Netz des Lebens einnimmt. Dass das manchmal nicht ganz einfach ist, zeigt das Beispiel des Frosches Pristimantis nebulosus, der in der nicht eben leicht zugänglichen Cordillera Azul in Zentralperu lebt. Im Jahr 1979 sammelten Forscher ein einzelnes Exemplar dieser Art. Doch seine Konservierung misslang. Der Frosch wurde beschädigt und ist seither in einem selbst für eine Leiche schlechtem Zustand. Deswegen ist völlig unklar, zu welcher Artengruppe innerhalb der mit immerhin fast 600 bekannten Arten größten Froschgattung Pristimantis das Tier gehört. Allerdings bezieht sich der Beiname nebulosus, anders als man meinen könnte, nicht auf die daraus resultierende Verwirrung.

Die allerdings blieb vier Jahrzehnte lang bestehen, bis ein Team um den Zoologen Jörn Köhler vom Hessischen Landesmuseum Darmstadt an den exakt gleichen Ort zurückkehrte, um das Rätsel um den nebulösen Frosch zu lösen. Wie die Arbeitsgruppe in der Fachzeitschrift »Zoosystematics and Evolution« berichtet, fand sie tatsächlich drei hinreichend ähnlich erscheinende Tiere. Gründliche anatomische Vergleiche mit den 40 Jahre alten Überresten von Pristimantis nebulosus zeigten, dass es sich wirklich um lebende Exemplare der gleichen Art handelte. Nun wissen die Fachleute nicht nur, wie das Tier lebendig aussieht, sondern haben auch material für genetische Analysen, um seine Verwandtschaftsverhältnisse zu entschlüsseln. Außerdem dokumentierte die Arbeitsgruppe den Paarungsruf des Frosches.

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