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Riesenmuschel

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Riesenmuschel

Als unscheinbar kann man Tridacna costata wohl kaum bezeichnen: Die über 30 Zentimeter lange und fast 20 Zentimeter breite Riesenmuschel mit charakteristisch tief gefurchter, wellenförmiger Schale zieht Blicke durchaus an. Allerdings ist sie so selten, dass Forscher um Claudio Richter vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung erst jetzt diese neue Art entdeckt haben. Damit bekommen die Riesenmuscheln nun zum ersten Mal seit zwei Jahrzehnten wieder Familienzuwachs.

Die neue Spezies unterscheidet sich sowohl in Gestalt und Aussehen als auch genetisch von den anderen Arten der Gattung Tridacna. Außerdem scheint sie nur in den seichten Riffregionen zu leben, während ihre Verwandten auch in tiefere Wasserschichten ausweichen. Darüber hinaus laicht Tridacna costata nur im Frühjahr innerhalb einer kurzen Phase zu Zeiten der Algenblüte, weshalb die Forscher vermuten, dass sich die Larvenstadien dieser Art von Plankton ernähren – im Gegensatz zu den anderen Riesenmuscheln, die ihren Nachwuchs mit ausreichend Dotter versorgen und damit unabhängig vom lokalen Nahrungsangebot machen.

Entlang der gesamten jordanischen Küste konnten Richter und Co nur insgesamt 13 Exemplare finden, weshalb die Art nach den Rote-Liste-Kriterien der IUCN als kritisch gefährdet anzusehen ist. Die Forscher verzichteten daher auch auf die übliche Mitnahme von Sammelstücken für die Museen. Dabei hatte Tridacna costata früher bessere Zeiten gesehen: In den Schalenresten auf alten Uferterrassen machte die Art bis zu 80 Prozent aus. Gleichzeitig erreichten manche alten Vertreter eine bis zu zwanzigfache Größe – solche Riesen waren heute nicht mehr aufzuspüren.

Hintergrund für den drastischen Rückgang in Zahl und Größe ist nach Ansicht der Wissenschaftler ganz klar Homo sapiens: Als er vor über 125 000 Jahren bei seinem Auszug aus Afrika am Roten Meer ankam, gehörten Muscheln und sonstige Meeresbewohner zu seinen Hauptnahrungsmitteln – womöglich war die Konkurrenz um diese Ressourcen sogar ein Grund für die Wanderung. Leider bewies der Mensch schon damals mangelnde Weitsicht und beutete die Natur rücksichtslos aus. Tridacna costata kann es bezeugen. (af)

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