Direkt zum Inhalt

Evolution: Schildkröte ohne Schild

Das 228 Millionen Jahre alte Fossil aus China hatte keinen Panzer - ein maßgebliches Merkmal von Schildkröten. Für Paläontologen hat das Fundstück deshalb eine besondere Bedeutung.
Versteinerte Überreste einer 228 Millionen Jahre alten Schildkröte

Fossile Schildkröte (Eorhynchochelys sinensis)

Eorhynchochelys sinensis heißt übersetzt in etwa »erste Schildkröte mit Schnabel aus China«. Denn immerhin über den typischen Schnabel verfügte das 228 Millionen Jahre alte Fossil schon. Nur hatte es eben keinen Panzer, ein nicht unwesentliches Merkmal heutiger Schildkrötenarten. Damit schließt das versteinerte Tier eine Lücke im Stammbaum der Schildkröten, wie Paläontologen in der Fachzeitschrift »Nature« erläutern.

So wie einst auch Schildkröten ohne den charakteristischen zahnlosen Schnabel (aber mit Panzer) lebten, sei Eorhynchochelys sinensis ein weiterer Beweis dafür, dass typische Merkmale wie ein Mosaik entstehen: Das eine könne sich unabhängig vom anderen sowie unterschiedlich schnell entwickeln, so dass nicht alle Vorfahren dieselbe Kombination von Eigenschaften aufwiesen.

Der Fund werde den Blick auf Schildkröten-Verwandtschaften verändern, berichtet einer der Autoren, der Paläontologe Olivier Rieppel vom Field Museum in Chicago. »Bis ich dieses Fossil gesehen habe, hätte ich manche Verwandten nicht für Schildkröten gehalten.« Das Exemplar war mehr als 1,8 Meter lang und hatte die Form eines Frisbee; seine Rippen hatten noch nicht jene schalenartige Form, die das Skelett heutiger Schildkröten bildet. Rieppel zufolge lebte das Tier »wahrscheinlich in flachen Gewässern und grub im Schlamm nach Nahrung«.

35/2018

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 35/2018

Lesermeinung

Beitrag schreiben

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Leserzuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmer sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Lesermeinungen können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!

Partnervideos