Sombrerogalaxie: Ein kosmischer Sonnenhut

Sombrerogalaxie im Sternbild Jungfrau
Etwa 30 Millionen Lichtjahre von uns entfernt im Sternbild Jungfrau (Virgo) befindet sich die Spiralgalaxie Messier 104 (M 104), die wegen ihres Aussehens in kleinen Teleskopen den Spitznamen Sombrerogalaxie erhielt, da sie darin wie ein riesiger mexikanischer Sonnenhut aussieht. Allerdings hat die Krempe des kosmischen Huts einen Durchmesser von circa 50 000 Lichtjahren. Auf diesem Bild, das mit dem 4-Meter-Victor-M.-Blanco-Teleskop auf dem Cerro Tololo in Chile entstand, zeigt sich, dass sich M 104 weit über die Krempe hinaus ins All bis auf etwa 150 000 Lichtjahre erstreckt. Sie erinnert daher eher an eine elliptische Galaxie. Tatsächlich gehört sie aber zu den enggewundenen Spiralgalaxien des Hubble-Typs Sa. Das Bild entstand im Visuellen durch vier schmalbandige Filter im Bereich von 473 Nanometern (blau) bis 784 Nanometern (rot). Es gibt annähernd den Anblick mit dem Auge wieder. Es entstand mit der Dark Energy Camera (DECam), die pro Bild 570 Megapixel aufzeichnet.
Im Zentrum der Galaxie liegt ein auffallend helles Gebiet, hier befindet sich ein extrem massereiches Schwarzes Loch mit einer Milliarde Sonnenmassen, also rund das 250-fache der Masse des Schwarzen Loch in unserer Galaxis. Das ist erstaunlich, da die Sombrerogalaxie deutlich kleiner und masseärmer ist als unser Milchstraßensystem. Möglicherweise ist durch die Verschmelzung mit anderen Galaxien in der Vergangenheit von M 104 dieses gut gefüttert worden. Um die Welteninsel herum tummeln sich viele Kugelsternhaufen, ihre Gesamtzahl wird auf etwa 2000 geschätzt. Etwa in Richtung »5 Uhr« ist eine bogenförmige Struktur sichtbar, es ist ein weit geschwungener Sternenstrom, der durch die Verschmelzung mit einer kleinen Nachbargalaxie entstand.
Messier 104 wurde vom französischen Astronomen Charles Messier (1730–1817) nicht persönlich in seine bekannte Liste nebliger Objekte am Himmel aufgenommen, sondern erst lange posthum. Es zeigte sich zwar, dass sein persönliches Exemplar eine handschriftliche Eintragung zu diesem Objekt enthielt und auch der deutsch-britische Astronom Wilhelm Herschel (1738–1822) es registriert hatte. Aber erst im 20. Jahrhundert wurde es im Jahr 1921 in die Messier-Liste eingetragen.
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