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Kleine Kunstwerke: Steinzeit-Schönheit

In Nordfrankreich kam eine 23 000 Jahre alte Venusstatuette ans Licht. Die gut erhaltene Figur ist nicht die Erste ihrer Art an diesem Fundplatz.
Vier Ansichten der Venus von Amiens-RenancourtLaden...

Neue Venus von Amiens-Renancourt

Kurze Ärmchen, hängende Brüste, ein schwerer Bauch und ein ausbuchtendes Gesäß – diese Körpermerkmale sind typisch für die so genannten Venusfigurinen. Ungefähr zehn Dutzend solcher Steinzeitstatuetten sind inzwischen aus Europa bekannt. Das wohl berühmteste Exemplar ist die »Venus von Willendorf« aus Österreich. Nun haben französische Archäologen vom Institut national des recherches archéologiques préventives (INRAP) eine gut erhaltene Figurine von diesem Typus ausgegraben – am Fundplatz Renancourt bei Amiens im Norden Frankreichs (Département Somme). Wie das archäologische Institut auf seiner Website berichtet, fand sich die Figur in den Überresten eines Jagdlagers, in dem Menschen vor 23 000 Jahren erlegte Tiere, vor allem Pferde, zerteilten.

Die jüngst entdeckte Figurine ist zirka vier Zentimeter hoch und besteht aus Kalkstein. Das Kopfhaar ist als Schachbrettmuster wiedergegeben, die Beine sind lediglich als Stümpfe ausgearbeitet. Das Gesicht ist flach belassen. Wie fast alle altsteinzeitlichen Frauenfigurinen stammt auch die Statuette aus Amiens-Renancourt aus dem Gravettien, einer der letzten Kulturstufen des Paläolithikums am Ende der letzten Eiszeit.

Werkstatt für Venusfigurinen?

Seit 2014 graben die Archäologen des INRAP an dem Fundort in Nordfrankreich. Zusammen mit dem Neufund haben sie dort inzwischen 15 Venusstatuetten aus Kalkstein entdeckt. Neben Tierknochen und Steinwerkzeugen fanden die Ausgräber mehrere tausend Abschläge aus Kalkstein. Wie die Forscher vermuten, handelt es sich um Werkabfall, der bei der Fertigung der Venusstatuetten anfiel. Die Menschen zerlegten in dem Jagdlager also nicht nur ihre Beute, sondern fertigten dort neben Steingeräten auch Figurinen.

Wen die üppigen Frauenfiguren darstellen oder welche Bedeutung sie haben, ist nicht geklärt. Denkbar wäre, dass es sich um Bildnisse von Mutter- oder Fruchtbarkeitsgöttinnen handelte. Einige Archäologen vertreten die Meinung, dass sie angesehene Frauen der Gemeinschaft darstellten.

50/2019

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 50/2019

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