Galaktisches Zentrum: Supernova-Überrest am Abgrund

Ein möglicher Supernova-Überrest?
Das Zentrum unseres Milchstraßensystems ist ein Gebiet der Extreme. Nicht nur energiereiche Partikel und intensive Röntgenstrahlung erzeugen hier einen lebensfeindlichen Raum. Inmitten der Region befindet sich zudem ein massereiches Schwarzes Loch, das Sterne in sein Schwerefeld zwingt und mitunter zerreißt. Selbst die fernere Umgebung dieses Schwerkraftmonsters offenbart Besonderheiten: Unter dem Einfluss ausgedehnter Magnetfelder zeigt sich leuchtendes Plasma in bizarren Formen.
Man mag kaum vermuten, dass inmitten dieses energetischen Feuerwerks neue Sterne entstehen können – doch dies ist möglich. Hinweise hierauf geben ausgedehnte Wasserstoffwolken, sogenannte H-II-Regionen. Die massereicheren Exemplare der in diesen Wolken vorhandenen jungen Sterne brauchen ihren Brennstoffvorrat relativ schnell auf und beenden ihren Entwicklungsweg als Supernova. Zeugnisse solch gewaltiger Explosionen sind expandierende Blasen aus heißem Gas, die sich im Röntgenspektralbereich nachweisen lassen.
Kürzlich entdeckte ein Forscherteam einen möglichen Supernova-Überrest in der Region Sagittarius C, einem bislang wenig beachteten Gebiet etwas abseits des galaktischen Zentrums und des zentralen Schwarzen Lochs. Sagittarius C ist eine aktive Sternentstehungsregion; sie ist Teil der zentralen Molekülzone (englisch: central molecular zone, CMZ), eines riesigen Molekülwolkenkomplexes mit der 60-millionenfachen Masse der Sonne. Zhenlin Zhu und Mark Morris von der University of California in Los Angeles, Gabriele Ponti vom Nationalen Astrophysikinstitut Italiens sowie Ping Zhou von der Nanjing-Universität in China kombinierten Röntgendaten des Weltraumobservatoriums Chandra und der ESA-Mission XMM-Newton (in Blau dargestellt) mit Radiodaten des südafrikanischen MeerKAT-Teleskops (rot) sowie mit optischen Aufnahmen der Pan-STARRS-Teleskope auf Hawaii (rot, grün, blau). Die Ebene der Milchstraße verläuft im Bild waagerecht von links nach rechts; das Schwarze Loch befindet sich links außerhalb des Bildausschnitts.
Der mögliche Supernova-Überrest verriet sich auf den Daten von Chandra und XMM-Newton als helle Wolke (blau), die mit der H-II-Region (rotes Gebiet unterhalb der Bildmitte) in Verbindung steht. Die Röntgenstrahlung könnte von der Explosion eines massereichen Sterns übrig geblieben sein. Zudem wurde hier durch Infrarotbeobachtungen an Bord des ehemaligen Flugzeugobservatoriums SOFIA (Stratospheric Observatory for Infrared Astronomy) eine Wolke expandierenden Gases nachgewiesen. Sollte sich die Vermutung eines Supernova-Überrests bestätigen, so wäre der massereiche Stern vor etwa 1700 Jahren explodiert.
Studien der hier vorgestellten Art könnten zur Klärung der Frage beitragen, ob die Sternentwicklung im rund 26 000 Lichtjahre entfernten galaktischen Zentrum auf ähnliche Weise abläuft wie in unserer unmittelbaren kosmischen Umgebung.
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