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Synagoge von Plauen: Digital wieder aufgerichtet

Die digitale Rekonstruktion der Plauener Synagoge zeigt beispielhaft, welchen kulturellen und architektonischen Reichtum die Nazis in Deutschland zerstörten. Von diesem Gotteshaus blieben nur Fragmente übrig.
Die Synagoge in Plauen

Die Synagoge in Plauen

Gerade einmal acht Jahre währte die Existenz der Plauener Synagoge. Sie war das vorletzte jüdische Gotteshaus, das noch vor der Machtergreifung Adolf Hitlers in Deutschland eingeweiht wurde. Das war am 6. April 1930, da mehrten sich schon die antisemitischen Angriffe. Die Reichspogromnacht brachte dann das Ende: Am 10. November 1938 wurde der Bau in der Stadt im sächsischen Vogtland von Nazis in Brand gesteckt und später dann dem Erdboden gleichgemacht.

Mit der Zerstörung verschwand ein außergewöhnlicher Bau aus der deutschen Kulturlandschaft. Mit ihm hatte der jüdische Architekt Fritz Landauer ein herausragendes Beispiel für einen Sakralbau in der Formensprache des Neuen Bauens geschaffen. Zu sehen ist hier der Blick auf die mit alttestamentarischen Szenen und Landschaften geschmückte Ostwand. Der Innenraum – in Wahrheit kaum größer als ein Tennisplatz – soll auf Besucher dank seiner Proportionen monumental und erhebend gewirkt haben.

Die Computerrekonstruktion vermittelt einen Eindruck von dieser einstigen Raumwirkung. Sie entstand am Fachgebiet Digitales Gestalten der Technischen Universität Darmstadt, wo ein Team um Marc Grellert inzwischen 25 Synagogen virtuell rekonstruiert hat. Seit 1994 arbeitet die Gruppe daran, die großen innerstädtischen Gotteshäuser am Computer wieder erlebbar zu machen. Anzuschauen ist das Ergebnis in einer Dauerausstellung in Frankfurt am Main in der Erinnerungsstätte an der Friedberger Anlage. Auch auf den Webseiten der TU Darmstadt kann man sich einen Überblick über die rekonstruierten Bauwerke und die künstlerische Vielfalt jüdischer Gotteshäuser in Deutschland vor dem Zweiten Weltkrieg verschaffen.

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