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Archäologie: Turm des Todes

Im Großen Tempel der Aztekenhauptstadt Tenochtitlan sind Forscher auf Reste eines schaurigen Bauwerks gestoßen. Es verrät viel über die Kultur der einstigen Herrscher Mesoamerikas.
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Huei Tzompantli

Die Azteken waren ein blutrünstiges Volk. Regelmäßig brachten sie Menschenopfer dar, in der Hoffnung, damit das Überleben der Götter und den Fortgang der Welt zu sichern. Auf ein besonders imposantes Relikt dieser Praxis stießen die spanischen Eroberer im Großen Tempel der Aztekenhauptstadt Tenochtitlan: Ein 4,5 Meter breiter Turm aus Totenschädeln, den die damaligen Herrscher Mesoamerikas Ende des 15. Jahrhunderts errichtet hatten.

Bereits 2015 gruben Archäologen des mexikanischen Nationalinstituts für Anthropologie und Geschichte den nordöstlichen Teil dieses »Huei Tzompantli« aus. Sie stießen damals auf 484 Schädel. Wahrscheinlich handelte es sich in vielen Fällen um feindliche Krieger, die nach ihrer Gefangenschaft geopfert und enthauptet wurden.

Nun ist ein Team um Rodrigo Bolaños Martínez auf 119 weitere Totenköpfe gestoßen, die wahrscheinlich den östlichen Teil des verschütteten Turmgerüsts bildeten. Die Schädel gehörten hier nicht nur Männern, sondern zum Teil auch Frauen und in drei Fällen sogar Kindern, berichtet das Nationalinstitut in einer Mitteilung.

Der Totenkult hatte für die Azteken eine enorme kulturelle Bedeutung: Unter anderem glaubten sie daran, dass die Ahnen an einem Tag des Jahres auf die Erde zurückkehren und dafür ein Gefäß benötigen. Gerüste mit Schädeln zierten daher nicht nur den Großen Tempel, sondern viele Stätten des mesoamerikanischen Imperiums.

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