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Eine Mahlzeit und ihre Mahlzeit: Urzeiträuber mit umsichtigem Essverhalten

Ein Räuber wurde selbst zur Beute - nicht ungewöhnlich. Doch hier ließ der Übeltäter fast die ganze Mahlzeit liegen, wie die fossilen Überreste zeigen. Das hatte einen guten Grund.
Fossil eines durchgebissenen BelemnitenLaden...

Urzeiträuber mit umsichtigem Essverhalten

So schnell geht das mit dem Fressen und Gefressenwerden: Gerade eben noch krallt sich die tintenfischähnliche Kreatur eine Art Krebs mit ihren Armen, da beißt ein anderes Raubtier sie glatt in der Mitte durch und verschwindet mit einem saftigen Happen wieder im Meer. Die Überreste des glücklosen Räubers und seiner Beute sanken zum Meeresboden, feiner Schlamm bedeckte sie. Doch das ist nicht das Ende der Geschichte. Denn 180 Millionen Jahre später kamen ihre Überreste wieder ans Tageslicht – detailliert erhalten auf einer Platte des berühmten Posidonienschiefers aus einem Steinbruch bei Holzmaden.

Deutlich zu erkennen ist der Hinterleib des Belemniten Passaloteuthis laevigata mit seinem stabförmigen Innenskelett, dem Rostrum. Dessen vorderes Ende ist durch den Biss des Raubtiers brutal zertrümmert, vom Rest des Körpers sind nur noch einige Fetzen übrig. Rechts daneben liegt der abgetrennte Kopfteil mit den Armen – erkennbar an den regelmäßig aufgereihten Fanghaken – und zwei großen, stoßzahnähnlichen Fanghaken nahe der Mundöffnung. In dem Gewirr liegen, erkennbar als rötlicher Schatten, Brustplatte und Beine des hummerartigen Krebstiers Proeryon.

Was genau in dem urzeitlichen Meeresbecken geschah, hat nun eine Arbeitsgruppe um Christian Klug von der Universität Zürich rekonstruiert. Im »Swiss Journal of Paleontology« löst sie außerdem das größte Rätsel des Funds: warum das deutlich größere Raubtier lediglich das Mittelstück seiner Beute verspeiste. Das nämlich dürfte keineswegs Zufall gewesen sein. Mutmaßlich schützte der Jäger, wohl eine Art Hai oder ein anderer großer Raubfisch, sich auf diese Weise vor einer Magenverstimmung.

Als Indiz für diese Interpretation präsentiert die Arbeitsgruppe das Fossil eines Hais aus dem Posidonienschiefer, dessen Verdauungstrakt derart mit Donnerkeilen verstopft war, dass das Tier wohl daran starb. Der Hai, der Passaloteuthis laevigata zum Verhängnis wurde, war dagegen schlauer: Er biss präzise nur den weichen Körper des Belemniten heraus. Die harten und wenig bekömmlichen Überreste zeugen nun vom umsichtigen Fressverhalten des Jägers.

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