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Verduftet

Clownfisch

Clownfisch

Was für uns Menschen auf den ersten Blick harmonisch wirkt, ist für Fischlarven die reinste Hölle – und damit kein Platz für eine sichere Kinderstube. Denn in Korallenriffen tobt nicht nur das bunte Leben, sondern es wird auch viel gestorben: Nur in wenigen anderen Lebensräumen ist die Räuberdichte ähnlich hoch.

Arten wie der Clownfisch schicken deshalb ihren Nachwuchs auf Reisen – hinaus auf die hohe See. Dort verbringen die Kleinen nach dem Schlüpfen ihre Kindheit und kehren erst in den heimatlichen Schoß der Korallenstöcke, Seeanemonen und Schwämme zurück, wenn sie bereits eine gewisse Größe erreicht haben und somit nicht mehr jedem hungrigen Feind zum Opfer fallen. Den Weg nachhause leitet sie ihr Geruchssinn, der sie zielsicher zur heimatlichen Duft-Mixtur führt. Wie Studien schon gezeigt haben, orientieren sich Clownfische beispielsweise an den Gerüchen im Meerwasser zerfallender Bäume: Sie visieren lieber bewachsene Eilande an als vegetationsfreie.

Was sich lange bewährte, bedroht nun womöglich die Tiere, meinen Forscher um Philip Munday von der australischen James Cook University in Townsville: Die zunehmende Versauerung der Ozeane könnte die empfindliche Nase der Tiere beeinträchtigen und sie in die Irre leiten. Ein nicht zu verachtendes Problem, soll doch der pH-Wert der Meere in den nächsten Dekaden von heute durchschnittlich 8,15 auf nur noch 7,6 im 22. Jahrhundert sinken, weil die Ozeane einen guten Teil des von der Menschheit freigesetzten Kohlendioxids aufnehmen. Im Wasser gelöst bildet es Kohlensäure, die Korallen und Muscheln hemmt, ihr Kalkgerüst und ihre Schalen zu bilden.

Doch dies scheinen nicht die einzigen negativen Folgen für die Meeresfauna zu sein, wie Mundays Tests zeigen: Sein Team setzte Clownfische (Amphiprion percula) in Labortests verschiedenen Duftstoffen und pH-Werten aus und beobachtete deren Reaktion. Während die bunten Fische unter heute noch üblichen Bedingungen den olfaktorischen Verlockungen der Heimat folgten, brachte sie der niedrigere pH-Wert von 7,8 – er wird nach heutigen Prognosen bis 2100 erwartet – aus dem Takt: Statt dem üblichen Odeur der Bäume folgten sie nun eher dem Duft von Mangroven und Gräsern. Zuvor waren sie diesen Pflanzen stets ausgewichen. Zudem erkannten die kleinen Fische auch nicht mehr die Botenstoffe ihrer Erzeuger, denen sie unter gegenwärtigen Bedingungen aus dem Weg gehen, um Inzucht zu vermeiden.

Sollte der pH-Wert sogar noch weiter bis auf 7,6 sinken, was bei den gegenwärtigen CO2-Emissionen der Menschheit durchaus wahrscheinlich ist und nach 2100 eintreten könnte, ginge der Geruchssinn der Fische vollends verloren. Im Labor verhielten sie sich allen Düften gegenüber gleichgültig. In freier Natur müssten sie hoffen, zufällig an ein Riff getrieben zu werden – oder sie gingen auf hoher See verloren. Larven, die in versauertem Wasser aufwuchsen, fanden selbst dann nicht mehr zurück in die Spur, wenn die Forscher sie in normales Meerwasser umsetzten: Zumindest für die Dauer eines Laborversuchs war ihre Spürnase verloren – und fand Nemo nicht mehr heim. (dl)

Munday, P. et al.: Ocean acidification impairs olfactory discrimination and homing ability of a marine fish. In: Proceedings of the National Academy of Sciences 10.1073.pnas.0809996106, 2009.

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