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Baden-Württemberg: Was ritzten die frühen Kelten vor 2600 Jahren auf diese Birkenrinde?

Schon in der Antike hatten Raubgräber das Keltengrab im schwäbischen Riedlingen leer geräumt. Fast leer geräumt. So manchen kleinen Schatz ließen sie zurück.
Eine frühkeltische Birkenrinde mit eingeritzten Linien und Mustern, die möglicherweise eine frühe Form von Kunst oder Symbolik darstellen. Die Oberfläche ist dunkelbraun mit helleren und dunkleren Schattierungen, die die Textur des Materials betonen. Die Gravuren sind unregelmäßig und scheinen von Hand gefertigt zu sein, was auf eine historische oder prähistorische Herkunft hindeutet.

Seltener Holzfund aus dem Keltengrab von Riedlingen

Ein Pferd, eine Schlange oder doch etwas ganz anderes? Was genau frühe Kelten vor etwa 2600 Jahren auf ein Stück Birkenrinde ritzten, darüber rätseln Archäologen noch. Sicher sei aber: »Der Fund ist in mehrfacher Hinsicht einmalig«, so Landesarchäologe Dirk Krausse in einem Pressebericht. Den Rindenstreifen entdeckten er, sein Kollege Roberto Tarpini und ihr Team vom Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart in einem frühkeltischen Grab im schwäbischen Riedlingen. Einmalig sei die Birkenrinde, weil Bilder von Menschen und Tieren aus der damaligen Zeit, dem 7. und frühen 6. Jahrhundert v. Chr., sehr selten überliefert sind. Und noch dazu bisher keines auf Holz.

Die Kammer, die einst unter einem stattlichen etwa sechs Meter hohen und 65 Meter weiten Hügel lag, hatten die Fachleute 2023 ausgegraben. Wie sich bald zeigte, waren ihnen aber bereits in der Antike Raubgräber zuvorgekommen. Diese hatten einen Tunnel in den Hügel gescharrt, waren in die Kammer eingestiegen und räumten sie nahezu vollständig aus. Alles Wertvolle nahmen sie mit und ließen ein kleines Chaos aus Holzgegenständen zurück, das sich einst zu einem prunkvollen vierrädrigen Wagen, Möbelstücken und Gefäßen zusammensetzte. Und zwischen den Holzteilen lagen die Überreste eines jungen Mannes, der in ein Bärenfell eingehüllt vor 2600 Jahren dort bestattet worden war.

Angesichts der Größe seiner Grablege dürfte er zum Zirkel jener Elite gehört haben, von der die Archäologen weitere Gräber aus der Gegend kennen. Womöglich waren sie die Herrscher und Herrscherinnen der nahe gelegenen Heuneburg, die um 600 v. Chr. auf dem Höhepunkt ihrer Macht stand. Dass ungefähr um dieselbe Zeit auch das Grab von Riedlingen angelegt worden war, wissen die Fachleute ziemlich genau. Die gut erhaltene Grabkammer aus Eichenhölzern konnten sie dendrochronologisch untersuchen und feststellen: Die Eichen waren im Winter der Jahre 585 und 584 v. Chr. sowie im Sommer 584 v. Chr. geschlagen worden, also vor genau 2610 Jahren.

Im Grab lag das Stück gewölbte Birkenrinde, das wahrscheinlich zu einem Gefäß gehörte, so die Archäologen. Darauf ist ein stilisierter Hengst (links im Bild) eingeritzt: Die Beine sind mit Punktreihen verziert, der Schweif steht starr wie ein trockener Ast und ein Strich am Unterleib meint wohl den Penis des Tieres. Und rechts daneben? Zu sehen sind geschweifte Linien, die ebenfalls mit Punkten versehen sind. Ihr Sinn hat sich den Forschern aber noch nicht erschlossen.

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