Internationales Weichtier des Jahres: Die blutrünstige Vampirschnecke

Festgesaugt an einem Fisch
Sie könnte der wahre Schrecken der Meere sein – jedenfalls für Fische im südlichen Mittelmeer. Die Rede ist von der blutsaugenden Meeresschnecke Cumia intertexta. Das zwei bis drei Zentimeter lange Weichtier befällt nachts schlafende Fische und saugt deren Blut.
Und ihre außergewöhnliche Ernährungsstrategie überzeugt: Das Onlinepublikum, das bei der Wahl zur »Internationalen Molluske des Jahres« abgestimmt hat, kürte die Schnecke zum diesjährigen Gewinner.
Die Vampirschnecke ist nachtaktiv. Nach Sonnenuntergang versucht sie, schlafende Fische zu wittern. Hat sie ihre Beute gefunden, nähert sie sich ihr und durchbohrt die Haut mit ihrer Raspelzunge. Dieses auch Radula genannte Mundwerkzeug sitzt am Ende eines Rüssels, der die Länge der Schnecke um ein Vielfaches übertrifft.
»Dann ernährt sich [die Meeresschnecke] vom Blut des Fisches und sondert einen Cocktail aus Blutverdünner und Betäubungsmitteln ab, um ihre Beute ruhig zu halten«, erklärt Maria Vittoria Modica von der Zoologischen Station Anton Dohrn in Italien laut einer Pressemitteilung. Modica hatte Cumia intertexta für die Weichtierwahl des Jahres vorgeschlagen.
Sobald die Schnecke nach erfolgreicher Jagd satt ist, zieht sie sich in ein Versteck zurück »und hinterlässt einen betäubten, aber ansonsten gesunden Fisch«, so Modica.
Genetische Analysen sollen die Bluternährung der Vampirschnecke aufklären
Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung veranstaltet gemeinsam mit der Unitas Malacologica, der internationalen Weichtier-Forschungsgesellschaft, die Abstimmung zum Weichtier des Jahres. Auf den Titelgewinn von Cumia intertexta folgen nun wissenschaftliche Analysen: Das Erbgut der Schnecke soll am Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt vollständig entschlüsselt werden. Mit den Gendaten wollen die Fachleute mehr über die Bluternährung der Tiere und deren Entstehung herausfinden.
Wie die »Frankfurter Rundschau« im Vorfeld der Mollusken-Wahl berichtete, könnte die Sequenzierung des Schneckengenoms außerdem helfen, die verschiedenen Gifte, die Cumia intertexta in seine Opfer injiziert, zu untersuchen und für die Entwicklung neuer Medikamente zu nutzen.
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