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Historische Mondkarte

Im Jahre 1608 wurde in Holland das erste Instrument "um in die Ferne zu schauen" gebaut und kurz darauf europaweit vertrieben. Die Kunde von solch neuartigen "Teleskopen" kam schließlich auch Thomas Harriot und Galileo Galilei zu Ohren. Während der ständig unter finanziellem Druck stehende Galilei das bahnbrechende Gerät von der Waterkant lieber nachbaute, konnte sich der gut situierte Harriot ein Original leisten, ist sich der Historiker Allan Chapman von der University of Oxford sicher.

Denn Harriot stand in der Gunst zweier einflussreicher Persönlichkeiten, die ihn finanziell unterstützten – obwohl beide im Tower of London saßen: Kolonialheld Sir Walter Raleigh, weil er beim englischen König in Ungnade gefallen war, und der Adlige Henry Percy, weil er beschuldigt wurde, eben jenen mit der ganzen königlichen Familie und dem Parlament in die Luft sprengen zu wollen ("Gunpowder Plot").

Der chronische Junggeselle Thomas Harriot ließ sich von solch irdischen Dingen wenig beeindrucken und schaute stattdessen mit seinem brandneuen Teleskop zum nächtlichen Firmament empor. Irgendwann zwischen 1610 und 1613 zeichnete Harriot diese Mondkarte, die schon viele Einzelheiten der Mondoberfläche korrekt wiedergibt.

Das Universalgenie aus Pisa war zu dieser Zeit bereits eine Berühmtheit: Im Jahre 1610 landete Galileo mit dem "Sternenboten" (lat. Sidereus Nuncius) und den darin enthaltenen Mondkarten einen Bestseller, der ihn auf einen Schlag in den erlauchten Kreis der berühmtesten Naturforscher seiner Zeit katapultierte, weil er als Erster solche Bilder publiziert hatte.

Tatsächlich aber war Harriot früher dran gewesen – bereits vier Monate vor Galileo beobachtete er mit einem Teleskop den Mond und brachte das Gesehene auf Papier. Seine erste Zeichnung vom 26. Juli 1609 war allerdings eher unspektakulär. Die Abbildung (kleines Bild oben rechts) zeigt lediglich den Terminator, die Tag-und-Nacht-Grenze auf dem Mond, und ein paar gestrichelte Flecken, von denen der oberste wohl das Mare Crisium darstellt. Dieses Stück Papier sieht zwar nicht unbedingt nach großer Wissenschaft aus, ist aber Chapman zufolge rekordverdächtig: Es ist die älteste bekannte Zeichnung eines mit einem Teleskop beobachteten Himmelskörpers.

Insofern hat Harriot zwar zuerst gemalt, Galilei aber zuerst gedruckt – und so, wohl ohne es zu wissen, einem reichen Engländer die Lorbeeren vor der Nase weggeschnappt. (ne)

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