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Mickoleitia longimanus

Mickoleitia longimanus

Die Flügel von Eintagsfliegen, Brust und Flügelform von Libellen, Raubbeine wie eine Gottesanbeterin: Reinste Patchwork-Anatomie bot sich den Forschern um Arnold Staniczek und Günter Bechly vom Staatlichen Museum für Naturkunde in Stuttgart dar. Nur zwei erwachsene Exemplare dieser ausgestorbenen Insekten sind bislang aus 120 Millionen Jahre alten brasilianischen Gesteinen der unteren Kreidezeit bekannt, doch reichen diese aus, um eine neue Insektenordnung zu begründen: die Coxoplectoptera oder – nahe liegend – Chimärenflügler. Die neue Art hört auf den Namen Mickoleitia longimanus, benannt nach dem Tübinger Entomologen Gerhard Mickoleit.

Die Larven der Tiere (unten rechts) sind schon länger bekannt, wurden bisher aber falsch eingeordnet, erklären die Forscher. Sie scheinen eingegraben am Boden von Gewässern auf Beute gelauert zu haben: Ihre vorderen Beine sind ebenfalls zu langen Raubbeinen ausgebildet, ihre Kiefer zangenartig, während der Körper seitlich abgeplattet ist und die Mittel- und Hinterbeine gedrungen.

Und sie bieten neue Argumente für die Diskussion, ob sich die Flügel der Insekten aus den Rückenschildern oder aus Beinanhängen entwickelt haben, wie neuere entwicklungsgenetische Arbeiten vermuten ließen. Offenbar, so schließen nun Staniczek, Bechly und Co, ist beides richtig: Da die Kiemen in vielen Details den Flügelanlagen entsprechen und bei den Coxoplectoptera an den Rückenschildern entspringen, haben wohl auch die Flügel dort ihren Ursprung. Die Beingene spielen dann jedoch eine entscheidende Rolle in der Steuerung der Flügelentwicklung. (af)

Insect Systematics & Evolution 42, S. 101-138, 2011

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