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Wrack in der Labradorsee: Erste Fotos von Ernest Shackletons letztem Schiff

Auf seiner letzten Expedition starb Shackleton 1922 an Bord der »Quest«. Sein Schiff war danach noch viele Jahre in Betrieb, bis es sank. Nun gibt es erstmals Fotos vom Wrack.
Unterwasseraufnahme eines Schiffswracks, umgeben von mehreren Fischen. Die Struktur des Wracks ist teilweise mit Algen und Sedimenten bedeckt. Die Umgebung ist dunkel und trüb, was auf die Tiefe und die Bedingungen des Meeresbodens hinweist. Fische schwimmen in verschiedenen Richtungen um das Wrack herum.

Wrack der »Quest«

Seine geplante Durchquerung der Antarktis machte Ernest Shackleton zur Legende. Nicht weil seine Expedition erfolgreich war, sondern gerade weil sie scheiterte und der Polarforscher nach 19 Monaten voller Strapazen seine Crew im August 1916 in Sicherheit bringen konnte. Aber es war nicht Shackletons letzte Expedition.

Im Jahr 1921 stach er erneut in See, mit einem umgebauten Robbenfänger, den seine Frau Emily »Quest« nannte. Nach einem problematischen Beginn nahm das Schiff Kurs auf die Antarktis. Doch als die »Quest« Südgeorgien erreichte, starb Shackleton unerwartet am 5. Januar 1922 an Bord. Das Schiff wurde später verkauft und blieb noch gut 40 Jahre in Betrieb – unter anderem als Robbenfänger und Minensuchschiff. Am 5. Mai 1962 sank die »Quest« in der Labradorsee; Eis hatte sie leckgeschlagen. 2024 haben Fachleute ihr Wrack vor der Küste Labradors in etwa 390 Metern Tiefe per Sonar lokalisiert, aber nicht direkt in Augenschein genommen. Doch nun konnten die Royal Canadian Geographical Society und die Woods Hole Oceanographic Institution mithilfe eines bemannten Tiefseetauchboots und eines Tauchroboters erstmals Nahaufnahmen von Shackletons letztem Schiff anfertigen.

Wie der Expeditionsleiter John Geiger berichtet, sei das Schiff gut am Meeresgrund zu erkennen. Der Mast sei umgestürzt, Korallen sowie andere Meerestiere besiedelten das Wrack, Geisternetze bedeckten es. »Das Schiff ist stark beschädigt«, sagt Geiger laut einer Pressemitteilung. »Die Netze sind eine traurige Geschichte. Sie erschweren es uns, das Wrack zu untersuchen. Ich denke, wir müssen Verantwortung dafür übernehmen, was wir unseren Meeren antun – das ist ein gewaltiges Problem.«

Das Forschungsteam hat das Wrack mit 3D-Technologie vermessen, um ein digitales Modell der »Quest« zu erstellen. Als nächstes Ziel steuert die Crew um Geiger ein weiteres berühmtes Wrack an: die »Terra Nova« vor der Südküste Grönlands. Sie war das Expeditionsschiff von Robert Falcon Scott, einem Konkurrenten Shackletons. Scott fuhr damit in die Antarktis, um anschließend über das Eis den Südpol zu erreichen. Als Scott und seine vier Begleiter im Januar 1912 dort ankamen, mussten sie feststellen, dass ihnen Roald Amundsen zuvorgekommen war. Auf dem Rückweg zum Basislager starben Scott und seine Männer. Die »Terra Nova« kehrte heim, sank jedoch 1943 vor Grönland.

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