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Die Hanse

Es herrschte Aufbruchsstimmung in Westeuropa. Seit dem späten 11. Jahrhundert boomte die Wirtschaft. Allenthalben produzierten Manufakturen hochwertiges Tuch, wurden Erze gefördert und verarbeitet, brachten die Äcker satte Erträge. Die Bevölkerung wuchs, neues Land musste erschlossen werden, Siedlungen entstanden aus dem Nichts. Ein Berufsstand trug maßgeblich zu diesem Wachsen und Gedeihen bei: die Fernhändler. Sie sorgten dafür, dass Rohstoffe und Waren dorthin gelangten, wo sie gebraucht wurden – und wurden dabei reich und mächtig.
Von der Fahrtgemeinschaft zur WirtschaftsmachtLaden...
Die norddeutsche Hanse begann als Zusammenschluss Lübecker Kaufleute, die sich in Fahrtgemeinschaften die Märkte des Ostseeraums erschlossen. Ohne dass jemals ein formaler Gründungsakt stattgefunden hätte, entwickelte sich daraus ein Bündnis von Städten, das Regenten und Landesfürsten die Stirn bot. epoc, das Magazin für Archäologie und Geschichte, hat der Hanse und ihrer Geschichte in seiner Ausgabe 2-2011 einen Schwerpunkt gewidmet.

Mittelalterhistoriker erforschen das Bündnis schon seit langem. Sie durchforsten die Archive der Hansestädte nach Zolllisten und Rechnungsbüchern, werten Briefwechsel und Chroniken aus, ziehen alte Karten und Kataster heran. Seit einem Großbrand im norwegischen Bergen, dem ein Teil des dortigen Hansekontors zum Opfer fiel, sind auch die Archäologen mit im Boot.

Im Bereich alter Hafenanlagen und einst tückischer Untiefen stoßen sie auf Wracks, rekonstruieren deren Bauart, bergen ihre Ladung und die Zeugnisse des Alltags an Bord. Auf den Shetland- und Faröer-Inseln, sogar auf Island graben sie Handelsniederlassungen aus – Kaufleute aus Hamburg und Bremen nahmen die gefahrvolle Reise ins Nordmeer aus sich, um Fisch und den für Schießpulver nötigen Schwefel einzukaufen; dafür belieferten sie die abgelegenen Inseln mit Getreide und anderen Gütern.

Mit viel Mut, Weitblick und kaufmännischem Geschick versorgten die hansischen Fernhändler Nordeuropa bis zum Baltikum. Und legten nahmen damit einige Aspekte der heutigen europäischen Wirtschaftsunion vorweg.

Abdruck honorarfrei bei Quellenangabe: epoc, Ausgabe 2/2011
Ein Beleg wird erbeten.

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