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"Jugend forscht" – auf Europäisch

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Dass Teilnehmer des Bundeswettbewerbs "Jugend forscht" auch auf internationaler Ebene konkurrieren können, zeigt der folgende Bericht des Schülers Thomas Gigl, der mit einem Thema aus der Astronomie im "European Union Contest for Young Scientists" den zweiten Platz belegte.

Mit einem selbst gebauten astronomischen Zusatzgerät hatte ich im Jahr 2006 am Bundeswettbewerb teilgenommen und den ersten Platz im Bereich Geo- und Raumwissenschaften belegt. Mein Projekt bestand in der Radialgeschwindigkeitsbestimmung spektroskopischer Doppelsterne mit einem selbstgebauten, fasergekoppelten Spektrographen (siehe SuW 8/2006, S. 24).

Die Fortsetzung von "Jugend forscht" auf Europaebene ist der European Union Contest for Young Scientists (EUCYS). Nach meinem Bundessieg bei Jugend forscht in Freiburg 2006 hatte ich die Ehre, mit zwei weiteren Teilnehmern Deutschland am EUCYS zu vertreten. Ich merkte schnell, dass die Anforderungen im Vergleich zum Bundesentscheid "Jugend forscht" nochmals um einiges höher waren. Meine Jugend-forscht-Arbeit musste ich innerhalb sehr kurzer Zeit auf Englisch übersetzen und nochmals um einiges kürzen. Ach ja, so ganz nebenbei habe ich auch noch mein Abitur geschrieben.

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Der Wettbewerb beginnt | Der Wettbewerb ist eröffnet, der nationale Organisator, Anders Sahlmann (rechts am Rednerpult), begrüßt im Stockholmer Technikmuseum die aus ganz Europa angereisten Teilnehmer. Wer wird das Rennen machen?
Ende September ging es endlich los. Nach einem kurzen Zwischenstopp bei Frau Merkel, die alle Erst- bis Fünftplazierten des Bundeswettbewerbs nach Berlin eingeladen hatte, startete mein Flugzeug nach Stockholm. Unterdessen transportierten meine Eltern den Spektrographen, mit dem ich am Bundeswettbewerb teilgenommen hatte, mit dem Auto dorthin. Bei der Ankunft stellte ich schnell fest, dass ich mich nun auf europäischer Ebene befand, denn man verständigte sich jetzt nur noch auf Englisch.

Wo auch Nobelpreisträger feiern
Im Technikmuseum von Stockholm stellte jeder der aus ganz Europa angereisten Teilnehmer seine Arbeit einer Jury vor. Die Konkurrenz war hier weitaus größer als beim Bundeswettbewerb in Freiburg. Es stand nur wenig Zeit zur freien Verfügung, denn das Rahmenprogramm hielt uns alle auf Trab. Im goldenen Saal des Stockholmer Rathauses, wo auch die Nobelpreisträger feiern, empfing uns die Bürgermeisterin der Stadt.

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Empfang in Stockholm | Mit einem Empfang im goldenen Saal ihres Rathauses ehrte die Bürgermeisterin von Stockholm die Teilnehmer.


Neben einem Besuch im Nobel-Museum und im Vasa-Museum, war für alle Physiker auch "Tom Tits Experiments" ein Erlebnis der besonderen Art. In diesem Freilichtmuseum konnte man allerhand physikalische Experimente durchführen beziehungsweise am eigenen Körper erfahren. Die Siegerehrung am letzten Tag im altehrwürdigen Grand Hotel war der Höhepunkt der ganzen Woche. Hier nun stellte sich heraus, ob sich die ganze Mühe gelohnt hatte.

Mit meinem Projekt, der Radialgeschwindigkeitsbestimmung spektroskopischer Doppelsterne mit einem selbstgebauten fasergekoppelten Spektrographen, belegte ich beim EUCYS den zweiten Platz. Darüber hinaus erhielt ich zusätzlich den Sonderpreis der Europäischen Südsternwarte (ESO): eine einwöchige Reise nach Chile zu den Observatorien auf La Silla und dem Cerro Paranal.

Am Abend feierten wir den Erfolg im ältesten Freilichtmuseum der Welt, Skansen, und ließen den Tag in einer Disco gebührend ausklingen. Alles in allem war der Besuch in Stockholm ein unvergleichliches Erlebnis, das man auch nur einmal in seinem Leben erfahren kann. Mehrmals darf man nämlich in Deutschland nicht am European Contest for Young Scientists teilnehmen. Um so größer war die Freude über den Erfolg.

Mit Großteleskopen auf Augenhöhe
Am 8. April war es für mich so weit: Meine Reise nach Chile zu den Großteleskopen begann. Einmal umsteigen in Zürich und Auftanken in São Paulo, dann hatte ich nach 17 Stunden Flug chilenischen Boden unter den Füßen. Kurz nach der Landung in Santiago de Chile ging es direkt zu den Vitacura Offices in Santiago, wo mich das Personal herzlich empfing. Den Abend und die Nacht verbrachte ich in geselliger Runde mit einigen Astronomen im Gästehaus der ESO. Am nächsten Morgen hieß es dann abermals in das Flugzeug zu steigen, denn für heute stand ein Besuch des Observatoriums von La Silla auf dem Plan. Immer an der Küste entlang ging es mit dem Flugzeug nach La Serena, wo mich Hernan, mein persönlicher Betreuer und Fachmann für die Observatorien, begrüßte.

Sofort reisten wir weiter nach La Silla. Nach zweistündiger Fahrt auf holpriger Straße durch die Wüste passierten wir den Eingang zum Observatorium. Die Luft wurde nun merklich trockener – schließlich befindet man sich hier am trockensten Platz der Erde. Rechtzeitig zum Sonnenuntergang waren wir auf den Hügeln mit den insgesamt 14 Kuppeln angelangt. Einen so wundervollen Sonnenuntergang hatte ich bisher noch nie erlebt.

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Beim Very Large Telescope der ESO | Der Sonderpreis des Wettbewerbs bestand in einer Reise zur Eso nach Chile. Das Bild zeigt den Gewinner, Thomas Gigl unter dem Stahlkoloss des VLT-Teleskops Antu auf dem Cerro Paranal.
In der Nacht zogen leider Wolken auf, sodass mir ein Blick auf den Südhimmel über La Silla leider verwehrt blieb. Dafür war aber die Vorfreude auf den nächsten Morgen groß, denn nun stand die Besichtigung der Teleskope auf dem Programm. Auch das Wetter war am nächsten Tag sichtlich besser. Als erstes besichtigte ich das New Technology Telescope (NTT), den Vorreiter des Very Large Telescope (VLT). Das 3,5-Meter-Spiegelteleskop ist das erste Instrument mit aktiver Optik und ein gewaltiger Koloss. Als ich dann jedoch vor dem größten Teleskop in La Silla stand, einem 3.6-Meter-Spiegel, wirkte das NTT dagegen klein.

Forschern über die Schulter geblickt
Im Kontrollzentrum der Teleskope hatte ich noch die Möglichkeit, einigen Astronomen Fragen zu stellen und zu sehen, wie die Teleskope gesteuert werden. Nach dem Mittagessen hieß es Abschied von La Silla zu nehmen, denn nun sollte ich das VLT besuchen. Erneut ging es zum Flughafen, und ich flog mit meinem Betreuer von La Serena nach Antofagasta. Nach eineinhalbstündiger Fahrt durch die Atacamawüste konnte ich das Plateau mit seinen vier Kuppeln sehen. Nach dem Einchecken in der Unterkunft, dem "Ritz der Astronomen", wo es sogar einen Swimming Pool und einen kleinen tropischen Wald gibt, fuhren wir hoch auf den 2600 Meter hohen Cerro Paranal.

Auf dem Plateau neben dem größten Observatorium der Welt zu stehen, ist schon ein atemberaubendes Erlebnis. Unvergesslich bleibt auch der Sonnenuntergang neben den Teleskopen, den ich natürlich auf zahlreichen Fotos festhielt. Leider ist es nicht erlaubt, nachts auf dem Plateau zu bleiben, Hernan kannte jedoch einen geeigneten Ort unterhalb, von wo man einen guten Ausblick auf den südlichen Sternenhimmel hat.

Zu den Sternen gehen
Nach einem reichlichen Abendessen ging es wieder hinaus in die staubtrockene Luft zu unserem Beobachtungsplatz. Das Wetter war perfekt und so hatte man einen umwerfenden Blick auf das südliche Firmament. Die Milchstraße mit den ganzen Dunkelwolken konnte ich mühelos mit bloßem Auge beobachten. Von meinem Feldstecher konnte ich mich gar nicht mehr losreißen. Zudem nahm ich zahlreiche Fotos auf, leider ohne Montierung, die ich jedoch bei meinem nächsten Besuch in Chile im Reisegepäck haben werde.

Da ich erst um halb vier ins Bett kam, blieb nur wenig Zeit zum Schlafen, denn am nächsten Morgen durfte ich die Kuppeln der Acht-Meter-Teleskope besichtigen. Vor diesen 400-Tonnen-Giganten zu stehen, ist wirklich überwältigend. Hernan erklärte mir alles, und im Kontrollzentrum durfte ich auch vor der Steuerung der Teleskope Platz nehmen. Leider war hier die Zeit wiederum sehr knapp bemessen, bereits am Nachmittag mussten wir nach Antofagasta zurückfahren.

Hernan führte mich noch durch die Stadt und zeigte mir einige Sehenswürdigkeiten, bevor wir zurück nach Santiago flogen. Nach dem letzten Tag, mit einer Stadttour durch Valparaiso, übernachtete ich noch einmal im Gästehaus der ESO, dann war meine Zeit in Chile leider schon wieder vorbei. Am nächsten Morgen saß ich bereits wieder im Flugzeug nach München. Es war ein unvergessliches Erlebnis, als Amateurastronom am größten Observatorium der Welt zu Gast sein zu dürfen. Der südliche Himmel über dem Cerro Paranal wird mir noch sehr lange in Erinnerung bleiben – bis zur nächsten Reise nach Chile, dann vielleicht als Profiastronom.

Thomas Gigl

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