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Krebs durch Lichtverschmutzung?

Die zunehmende nächtliche Aufhellung durch künstliche Lichtquellen war bisher ein Thema, das insbesondere Astronomen und Biologen beschäftigte, weil dadurch der Blick auf den Sternenhimmel und das Überleben von Tierarten tangiert wird. Mediziner haben nun aber Indizien dafür gefunden, dass zuviel Licht auch hormonell bedingte Krebsarten wie Brustkrebs oder Prostatakrebs hervorruft. Auslöser ist wahrscheinlich eine verminderte Produktion des Hormons Melatonin. Lichtverschmutzung wird damit auch zum gesellschaftlichen Problem.
Am 8. Europäischen Symposium zum Schutz des Nachthimmels in Wien diskutierten internationale Experten 2008 über die dunklen Seiten des Lichts. In diesem Rahmen stellte die Universität Haifa in Israel eine Studie vor, nach der Brustkrebs bei Frauen in nachts stark beleuchteten Regionen zu 37 Prozent häufiger auftritt als bei Frauen in durchschnittlich beleuchteten Gebieten. In den hellsten Regionen war die Rate um weitere 27 Prozent höher als in den dunkelsten. Als Auslöser verdächtigen Mediziner das Hormon Melatonin, das den Tag-Nacht-Rhythmus des Menschen steuert und wichtig für die Regeneration des Körpers ist. Fällt nachts Licht auf die Netzhaut, wird die Melatoninproduktion im Zwischenhirn gedrosselt. Laut der Studie unterdrückt bläuliches Licht die Melatoninausschüttung am stärksten.

Politik reagiert langsam aber zunehmend
In vielen europäischen Ländern ist in Sachen Lichtverschmutzung noch viel zu tun, aber ein wachsendes Bewusstsein für das Problem ist erkennbar, wie die Zeitschrift „Sterne und Weltraum“ in ihrer Dezember-Ausgabe feststellt. Dem Kampf zur Rettung der natürlichen nächtlichen Umwelt verschrieben hat sich die international arbeitende Organisation Dark Sky (Dunkler Himmel). Sie informiert und begleitet Politiker, aber auch Unternehmen oder Privatleute auf dem Weg zu umwelt- und gesundheitsfreundlicheren Beleuchtungskonzepten. Erfolge sind unter anderem in Slowenien zu verzeichnen, dem nach Belgien am zweitstärksten beleuchteten Land Europas. Hier war die Lichtverschmutzung ein Wahlkampfthema. Die Stadt Wien dimmt ihre Beleuchtung seit dem 1. Februar 2007 nachts um eine Stunde früher und spart so pro Jahr rund 220 000 Euro. In Deutschland wurden in den letzten Jahren mehrere Petitionen im Bundestag eingereicht, die ein Gesetz gegen Lichtverschmutzung fordern. Jeweils mehrere tausend Menschen haben unterschrieben. Obwohl die Politik den Forderungen bisher nicht zugestimmt hat, tragen solche Bemühungen zu einem nachhaltigen Umdenken bei. Ihr tatsächlicher Erfolg wird sich wohl erst in einigen Jahren zeigen.

Informationen zu Sterne und Weltraum
„Sterne und Weltraum“, die 1962 gegründete Zeitschrift für Astronomie, berichtet umfassend, anschaulich und informativ über alle Bereiche der Astronomie, der Weltraumforschung und der Amateurastronomie. Fachleute präsentieren allgemeinverständlich die aktuellen Ergebnisse ihrer astronomischen Forschung und beschreiben die Entwicklung neuartiger Instrumente, Observatorien und Messverfahren. Amateurastronomen geben Tipps zum Beobachten interessanter Himmelsobjekte und -phänomene, testen Teleskope und deren reichhaltiges Zubehör und geben dem Sternfreund fundierte Anleitungen zur eigenständigen Erkundung des Sternenhimmels, zur Astrofotografie sowie zum Auswerten ihrer Beobachtungen. Produkte für die Amateurastronomie werden ebenso vorgestellt wie die schönsten Fotos von Galaxien, Sternhaufen und farbenprächtigen Nebeln. Beiträge aus der Astronomiegeschichte und zu Fragen des naturwissenschaftlichen Weltbildes runden das Themenspektrum ab.

Auf der Homepage www.astronomie-heute.de stellt „Sterne und Weltraum“ täglich aktuelle Meldungen aus Astronomie und Raumfahrt zur Verfügung. Neben neuen Medienformen wie Podcasts, Blogs und RSS-Feeds, finden sich hier auch Hintergrundinformationen, Veranstaltungstermine und Kleinanzeigen.

Abdruck honorarfrei bei Quellenangabe: Sterne und Weltraum, 12/2008
Ein Beleg wird erbeten.

Dezember 2008

Dieser Artikel ist enthalten in Sterne und Weltraum Dezember 2008

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