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Wiedersehen macht Freude

Nach dem Aufenthalt in Kairo fuhr ich mit dem Zug nach Alexandria, das ich entgegen anderslautender Berichte ins Herz geschlossen habe. Nicht nur der im Vergleich zu Kairo wesentlich besseren Luft wegen, sondern wegen des maroden Charmes einer Stadt, die ihre besseren Zeiten weit hinter sich hat, in der aber dennoch noch ein Hauch der internationalen Stadt der zweiten Hälfte des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu spüren ist. Noch immer finden sich dort griechische Klöster und Cafés, armenische Läden, alte französische Straßenschilder, italienische Kirchen, Moscheen und Souks, eben die aus zahlreichen Romanen bekannte Kultur der Levante, aber eben nur noch als verstaubter, abbröckelnder Rest.

Das griechisch-römische Museum, der eigentliche archäologische Anziehungspunkt Alexandrias, war leider geschlossen. Das wenige, was vom antiken Alexandria noch zu sehen ist, war aber dennoch sehr interessant: Die polnischen Ausgrabungen nahe des Bahnhofes, bei denen spätantike Strukturen zu Tage kamen, die mit großer Wahrscheinlichkeit Reste der Akademie darstellen, hellenistische und römische Felsgräber und Katakomben von Anfushi und Kom el-Shufaka, die Unterwasserfunde der französischen Unterwasserarchäologen im Hafenbecken und das Fort Kait Bey, das dort steht, wo sich einst der Pharos von Alexandria erhob, eines der sieben Weltwunder der Antike.

In der neuen, hochmodernen, aber mit nur wenigen Büchern ausgestatteten Bibliothek von Alexandria gibt es ein weiteres kleines Antikenmuseum mit einigen schönen Exponaten, darunter zwei hellenistische Mosaiken in sehr feiner opus-vermiculatum-Ausführung, die Ausgrabungen vor dem Bau der Bibliothek gefunden wurden. Sehenswert auch das neue „Alexandria National Museum“, das eher einen Querschnitt durch die ägyptische Geschichte (samt der Ordenssammlung des letzten ägyptischen Königs) zeigt als Exponate aus Alexandria.

Von Alexandria aus ging es dann in einem sehr engen Überlandbus in einer achtstündigen Fahrt in die Oase Siwa. Dort, mitten in der libyschen Wüste, finden sich die Reste des berühmten Amun-Orakels, für dessen Besuch Alexander der Große den beschwerlichen Weg durch die Wüste auf sich nahm.

Leider regnete es in Siwa zuerst in Strömen, was mit kiloweise Schlamm an den Schuhen nicht nur den Weg über die ungepflasterten Wege schwierig machte, sondern den Ort auch gänzlich aussterben ließ. Um die Mittagszeit wurde der Himmel dann glücklicherweise wieder etwas klarer, so dass sich bei meinem Marsch auf den Gebel Dakrour am Rande der Oase, dem Blick in das große südliche Sandmeer und der etwas unheimlichen Begegnung mit einer größeren Gruppe von Schakalen die Sahara zumindest etwas von der Seite zeigte, die ich eigentlich erwartet hatte. Es hatte ja schon im Oktober bei unserem Besuch der tunesischen Sahara-Oasen so heftig geregnet, dass ich in Siwa, wo es angeblich so gut wie nie regnet, schon überlegte, ob ich mir nicht als Regenmacher für zu trockene Landschaften einen lukrativeren Job als die Archäologie suchen sollte.

Auf dem Rückweg von Siwa nach Alexandria wollte ich in Marsa Matruh noch das am „Rommel-Beach“ gelegene Rommel-Museum besichtigen, das aber leider geschlossen hatte. So blieb bei der Vorbeifahrt am deutschen Grabmonument in El Alamein, in dem 4280 identifizierte deutsche Gefallene der Kämpfe um El Alamein bestattet sind, und an den anderen Friedhöfen der Briten und der Italiener in dessen Nähe, genug Zeit, über den Wahnsinn nachzudenken, der Soldaten hier in die Wüste und vielfach in den Tod geführt hat.

Seid gestern abend bin ich nun wieder im DAI in Kairo, um heute abend mit dem Nachtzug nach Luxor zu fahren. Im DAI gab es heute ein großes Wiedersehen, da Francis heute früh aus Karthoum kommend auch wieder in Kairo eingetroffen ist.

In einigen Tagen werden wir dann wieder gemeinsam reisen, was definitiv besser ist, als sich alleine durch die Weltgeschichte zu schlagen.

Philipp

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