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Gedächtnis: Wie man am effektivsten Neues lernt

Heidelberg. In der modernen Wissensgesellschaft prasseln laufend Informationen auf uns ein und wir müssen beruflich wie auch privat ständig neues Wissen und Können erwerben. Allerdings bleibt es dabei häufig dem Einzelnen überlassen, wie er diese Anforderungen meistert – wir müssen das Lernen mehr denn je aktiv gestalten.
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Laut Forschern sind dabei besonders metakognitive Fähigkeiten gefragt: Denn die eigenen Überzeugungen etwa hinsichtlich guter Lerntechniken oder persönlicher Vorlieben beeinflussen die Gedächtnisleistung, und das nicht immer nur zum Positiven. Mit anderen Worten: Richtig lernen will gelernt sein!

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Gehirn und Geist 10/2013
Psychologen um John Dunlosky von der Kent State University (USA) haben die Studienlage zu einigen weit verbreiteten Lernstrategien gesichtet. Demnach schneiden das Markieren wichtiger Inhalte (etwa per Textmarker) sowie wiederholtes Lesen – beide überaus beliebte Methoden – eher schlecht ab. Größeren Lernerfolg erzielt man dagegen mit Selbsttests, portionsweisem Lernen und erklärende Warum-Fragen. Auch abwechslungsreiches Lernen und das systematische Sichten eigener Wissenslücken erwiesen sich in Tests als nützlich. Wird der Wissenserwerb zudem von positiven Gefühlen begleitet und übt man den Abruf in möglichst vielen verschiedenen Situationen, so steigt die Chance weiter, dass viel hängen bleibt. Die häufigsten Lernfehler sind dagegen: zu viele Informationen auf einmal aufzunehmen, stur nach Schema f zu büffeln, bloßes Abhaken von Lernstoff sowie die Scheu vor Patzern beim aktiven Wiedergeben und Anwenden.

Grundlage dieser Empfehlungen ist die Erkenntnis, dass es vielfältige Lernformen gibt: Je nach Gegenstand und Situation sind verschiedene Gedächtnissysteme beteiligt, die sich grob in bewusste und unbewusste unterteilen lassen und auch neuroanatomisch getrennt sind. Während zu lernendes Faktenwissen etwas den Hippocampus im mittleren Schläfenlappen beansprucht, werden Bewegungsabläufe und andere Prozeduren unter Beteiligung prämotorischer Areale sowie der tief im Gehirn liegenden Basalganglien gespeichert.

Nicht zu vernachlässigen ist auch das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten, bei dem etwa der Präfrontalkortex im Stirnhirn ins Spiel kommt: So zeigten Untersuchungen von Psychologen, dass älteren Menschen, denen man eine Reihe von negativen, aufs Alter bezogenen Wörter wie "senil", in einem anschließenden Gedächtnistest schlechter abschnitten, als wenn sie zuvor positive Begriffe wie "weise" lasen.

Abdruck honorarfrei bei Quellenangabe: Gehirn&Geist, Oktober 2013
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