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Geschichte des Teleskops: Sonnenbeobachtung zu Galileis Zeiten

Als Galilei und andere Zeitgenossen vor 400 Jahren erstmals mit Teleskopen unsere Sonne anvisierten, studierten sie insbesondere die Sonnenflecken auf der Oberfläche des Gestirns. Es existierten noch keine Filter, welche die Augen vor dem Licht unseres Heimatsterns schützten, so dass zahlreiche Pioniere ihren Wissensdurst mit dem Augenlicht bezahlten. Galilei initiierte mit seiner Sonnenfleckenbeobachtung die erste bekannte, internationale Forschungskampagne und brachte das damalige Weltbild ins Wanken.
Galilei beschäftigte sich seit 1611- rund zwei Jahre nach Erfindung des Teleskops – mit der Erkundung der Sonne, wie der Kunsthistoriker Horst Bredekamp in der aktuellen Ausgabe von "Sterne und Weltraum" aufzeigt. Im März des gleichen Jahres richteten Johannes Fabricius, ein ostfriesischer Pastorensohn und der Mathematiklehrer Christoph Scheiner aus Ingolstadt ihre Fernrohre erstmals auf die Sonne. Alle drei sahen sie die dunklen Flecken auf der Oberfläche. Und alle trugen sie Augenschäden davon. Die Verletzungen weckten Zweifel, ob die Sonnenflecken nicht durch Schmerzen erzeugte Halluzinationen seien. Also begannen die Pioniere, ihre eigenen Beobachtungen durch andere Personen kontrollieren zu lassen. Diese Idee hatte schon Johannes Kepler im Mai 1607, als er in seinem Prager Haus Sonnenstrahlen durch ein kleines Loch im Dach auf ein Blatt Papier fallen ließ und damit eine einfache Lochkamera (camera obscura) einsetzte. Der damalige Rektor der Prager Universität bezeugte, dass Kepler Sonnenflecken gesehen hatte. Fabricius wiederholte die Beobachtungen mit mehreren Teleskopen, um technische Fehler auszuschließen und zog seinen Vater als Zeugen hinzu. Scheiner entwickelte später eine Methode, um die Sonne mit dem Teleskop indirekt beobachten zu können, die camera helioscopica. Dafür montierte er hinter das Fernrohr eine Tafel, worauf er das eingefangene Sonnenlicht aufzeichnete.

Ein Weltbild im Umbruch
Scheiners Arbeit inspirierte Galilei, eine Serie von Sonnenfleckenzeichnungen zu beginnen. Die dunklen Flecken faszinierten und erschreckten die Beobachter seit jeher, weil sie das kirchlich geprägte Weltbild von unveränderlichen Himmelskörpern in Frage stellten. Scheiner versuchte noch zu belegen, dass die dunklen Gebilde zwar vor der Sonne erschienen, aber nicht auf der Oberfläche befestigt seien, da die Flecken niemals wiederkehrten. So rettete er die Perfektion unseres Zentralgestirns. Galilei hingegen betonte das wechselnde Aussehen der Sonnenflecken und begründete eine systematische Sonnenbeobachtung von mehreren Standorten aus. Protokolle wurden angefertigt und die Beobachtungen unter verschiedenen Bedingungen wiederholt. Galileis Sonnenfleckenforschung war die erste internationale Forschungskampagne, die der Wissenschaftsgeschichte bekannt ist.

Beobachtungschronik
Berichte über die Existenz von Sonnenflecken reichen von der Antike bis zum Vorabend der Erfindung des Teleskops. Ein unbekannter sächsischer Dichter brachte den Tod Karls des Großen im Januar 814 mit Sonnenflecken in Verbindung, die zur Jahreswende 813 sichtbar waren. Russischen Berichten aus den Jahren 1365 und 1371 zufolge waren Zeichen auf der Sonne zu sehen, als ob Nägel in sie hineingebohrt wären. Und der italienische Künstler Raffaello Gualterotti berichtete, er habe im September 1604 einen Fleck auf der Sonnenoberfläche gesehen, der etwas größer war als Venus am Himmel erscheint. Geeignete Wetterbedingungen, wenn feiner Dunst die Stärke der Sonnenstrahlen dämpfte oder wenn schwere Waldbrände den Himmel verdüsterten, machten es immer wieder möglich, die Sonne über einen längeren Zeitraum zu beobachten.

Jubiläum zu Ehren Galileis
Mit seinen Beobachtungen und Berechnungen revolutionierte Galilei das Weltbild des 17. Jahrhunderts und schuf neben anderen Pionieren wie Johannes Kepler die Grundlage für die moderne Astronomie und Wissenschaft. Diese Epoche des Umbruchs beleuchtet die Zeitschrift "Sterne und Weltraum" anlässlich des IYA 2009 mit einer Artikelserie über das astronomische Werk Galileis. Unter dem Motto „Das Weltall. Du lebst darin – Entdecke es! soll das Internationale Jahr der Astronomie das Weltall für jedermann erlebbar machen. Feierlich eingeläutet wurde das IYA 2009 in Deutschland mit einer hochkarätigen Eröffnungsveranstaltung in Berlin am 20. Januar 2009. Während der weltweiten "100 Stunden Astronomie" vom 2. bis 5. April steht die Beobachtung des Weltraums mit eigenen Augen im Mittelpunkt. Begleitet von zahlreichen Medien- und Internetaktionen werden Amateurastronomen rund um den Globus mit ihren Teleskopen zu den Menschen kommen. In diesen Zeitraum fällt auch die Eröffnung der gigantischen Ausstellung "Sternstunden – Wunder des Sonnensystems" im Gasometer Oberhausen, die ein Jahr lang die Geschichte der Astronomie und ihrer Erkenntnisse lebendig werden lässt. Vom 7. bis 15. Mai folgt in zwei dutzend deutschen Planetarien die Premiere der gemeinsamen Show "Augen im All – Vorstoß ins unsichtbare Universum", die unter der Federführung der Europäischen Weltraumagentur realisiert wurde. Alle Veranstaltungen des Astro-Jahres in Deutschland sind über die Homepage www.astronomie2009.de zu finden.

Informationen zu Sterne und Weltraum
"Sterne und Weltraum", die 1962 gegründete Zeitschrift für Astronomie, berichtet umfassend, anschaulich und informativ über alle Bereiche der Astronomie, der Weltraumforschung und der Amateurastronomie. Fachleute präsentieren allgemeinverständlich die aktuellen Ergebnisse ihrer astronomischen Forschung und beschreiben die Entwicklung neuartiger Instrumente, Observatorien und Messverfahren. Amateurastronomen geben Tipps zum Beobachten interessanter Himmelsobjekte und -phänomene, testen Teleskope und deren reichhaltiges Zubehör und geben dem Sternfreund fundierte Anleitungen zur eigenständigen Erkundung des Sternenhimmels, zur Astrofotografie sowie zum Auswerten ihrer Beobachtungen. Produkte für die Amateurastronomie werden ebenso vorgestellt wie die schönsten Fotos von Galaxien, Sternhaufen und farbenprächtigen Nebeln. Beiträge aus der Astronomiegeschichte und zu Fragen des naturwissenschaftlichen Weltbildes runden das Themenspektrum ab.

Auf der Homepage www.astronomie-heute.de stellt "Sterne und Weltraum" täglich aktuelle Meldungen aus Astronomie und Raumfahrt zur Verfügung. Neben neuen Medienformen wie Podcasts, Blogs und RSS-Feeds, finden sich hier auch Hintergrundinformationen, Veranstaltungstermine und Kleinanzeigen.

Abdruck honorarfrei bei Quellenangabe: Sterne und Weltraum, 3/09
Ein Beleg wird erbeten.

März 2009

Dieser Artikel ist enthalten in Sterne und Weltraum März 2009

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