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Interview: Finden wir den Zwilling?

Künstlerische Darstellung des Exoplanetensystems HAT-P-7

Wissensschreiber
Herr Quetz, seit wann begeistern sich Menschen für Astronomie?

Schon immer! Die Menschen blickten in den Nachthimmel und sahen die funkelnden Sterne. Man konnte damals sehr viele Himmelskörper mit bloßem Auge erkennen – heute ist das schwerer. Der Grund dafür ist die Lichtverschmutzung durch die grellen Lichter von Großstädten. Um die Sterne besser sehen zu können, muss man heute an weniger beleuchtete Orte gehen.

Gibt es Dinge am Himmel, die unsere Vorfahren besonders fasziniert haben?

Ich denke, das waren Mondfinsternisse, da Betrachter sie von jedem Punkt der Erde aus beobachten konnten. Dabei wird der Mond dunkel oder rötlich und taucht schließlich wieder auf. Die Leute müssen sich doch gedacht haben: "Was passiert da mit dem Mond?" Sie haben bestimmt tagelang darüber geredet. Sonnenfinsternisse waren zwar auch sehr interessant, doch sie kommen nur sehr selten vor. Für die meisten Menschen auf der Erde kommt eine Sonnenfinsternis nur einmal im Leben vor.

Und was fasziniert Sie persönlich am meisten an der Astronomie?

Mich interessiert vor allem ein recht neues Forschungsgebiet: die Exoplaneten. Exoplaneten sind "extrasolare Planeten". Das heißt, sie existieren nicht in unserem eigenen Sonnensystem, sondern kreisen um eine andere Sonne.

Interview mit Axel Quetz | Axel M. Quetz studierte Mathematik, Chemie, Physik und Astronomie an der Universität Heidelberg. Der Blick zum Himmel faszinierte ihn schon als Schüler. Ein Lehrer zeigte ihm früh die Bedienung des Fernrohrs in der Schule. Heute ist er Redakteur bei der Zeitschrift ''Sterne und Weltraum'' und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg. Sein Spezialgebiet sind Exoplaneten.

Und warum finden Sie Exoplaneten so spannend?

Es könnte bei einer anderen Sonne einen Planeten geben, auf dem auch Leben existiert. Forscher gehen davon aus, dass dafür zwei Bedingungen erfüllt sein müssen. Es muss zum einen flüssiges Wasser geben. Zum anderen ist Sauerstoff ein sicheres Zeichen für biologisches Leben, weil nur Lebewesen Sauerstoff produzieren. Das wäre dann sozusagen eine zweite Erde. Vielleicht gibt es aber auch Leben, das unter anderen Bedingungen existieren kann. Doch was das für Voraussetzungen sein könnten, wissen die Wissenschaftler nicht. Deshalb suchen sie nach dem, was sie kennen – also nach einem erdähnlichen Planeten.

Gibt es schon Planeten, die diese Bedingungen erfüllen?

Tatsächlich hat man auf einigen Planeten auch schon Wasserdampf gefunden. Das ist nur möglich, wenn der Planet die richtige Entfernung zu seiner Sonne hat. Sind Planeten zu nah an ihrer Sonne, verdampft das ganze Wasser, sind sie zu weit weg, gefriert es. Sauerstoff haben Forscher jedoch noch nicht auf Exoplaneten entdeckt.

Denken Sie, dass Astronomen eines Tages einen erdähnlichen Exoplaneten entdecken?

In unserer Milchstraße gibt es etwa 400 Milliarden Sterne. Astronomen schätzen, dass mindestens jeder Zweite davon mindestens einen Planeten hat. Somit gibt es wohl mindestens 200 Milliarden Planeten in unserer Galaxie. Es wäre verwunderlich, wenn davon nicht manche der Erde recht ähnlich wären. Bisher haben Wissenschaftler allerdings erst 942 entdeckt. Aktuell sind wir, glaube ich, aber nicht weit weg von einem solchen Fund. Ich könnte mir vorstellen, dass wir innerhalb der nächsten zehn Jahre einen "Zwilling der Erde" finden.

Könnte dieser "Zwilling" auch ein Lebensraum für uns Menschen werden?

Das ist aus heutiger Sicht nahezu unmöglich. Andere Sonnensysteme sind einfach zu weit entfernt. Damit Astronauten dort zu Lebzeiten ankommen, müssten sie mit einem beträchtlichen Teil der Lichtgeschwindigkeit fliegen. So schnell wird auf absehbare Zeit aber kein von Menschen gemachtes Fahrzeug durch das All reisen.

Dieser Artikel entstand beim Wissensschreiber-Workshop zum Thema "Astronomie" im September 2013 in Heidelberg.

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