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Orient und Okzident: Die Perser

Vor genau dreißig Jahren gelang es im Iran einer radikalen Minderheit entschlossener Islamisten, Schah Mohammed Reza Pahlewi zu stürzen. Im Januar 1979 musste der Monarch seine Heimat verlassen, im Februar kehrte Revolutionsführer Ajatollah Khomeini aus dem Exil zurück – und rief nur zwei Monate später die Islamische Republik aus. Seither betrachtet der Westen mit einem Gemisch aus Neugier, Verblüffung und Furcht den ersten modernen Gottesstaat der muslimischen Welt. Fast täglich ist das Land in den Schlagzeilen, und durch den Atomstreit haben die politischen Differenzen in jüngster Zeit noch weiter an Intensität gewonnen.
Dabei die gemeinsame Geschichte Europas mit dem Iran seit jeher spannungsreich, berichtet das Magazin “epoc“ in seiner aktuellen Ausgabe (epoc 2/09). Bereits in der Antike tobte ein Ost-West-Konflikt. Vor rund 2500 Jahren trafen erstmals persische und griechische Heere aufeinander. In Jahrhunderten erbitterter Feindschaft, gab es aber auch immer wieder Phasen der Entspannung und gegenseitigen Annäherung. Denn wie bei allen Kriegen: Die Rivalen waren auch neugierig aufeinander. Und so ist die gemeinsame Geschichte des Westens mit Persien zugleich eine des kulturellen und wirtschaftlichen Austauschs.

In der Spätantike förderte keiner diesen Austausch stärker als König Chosrau I. (501 – 579) aus der Dynastie der Sassaniden. Der weltoffene Herrscher veranlasste nicht nur als erster, dass im christlichen Ostrom verpöntes antikes Wissen für die Nachwelt bewahrt wurde. Er war darüber hinaus offenbar selbst so gebildet, dass ihm sogar byzantinische Chronisten Bewunderung zollten.

Mit dem Safawiden Ismail schwang sich Anfang des 16. Jahrhunderts erstmals ein Ordensführer zum König auf. Unter ihm avancierte der schiitische Islam zur Staatsreligion des Iran, was er seit 1979 wieder ist. Doch anders als die scheinbar antiwestliche persische Regierung unserer Tage bemühten sich Schah Ismail und seine Nachfolger über zwei Jahrhunderte um gute Kontakte und sogar Allianzen mit den europäischen Höfen. Erst mit dem Niedergang der islamischen Reiche im 18. Jahrhundert und dem einsetzenden aggressiven Imperialismus der Europäer beginnt die Entfremdung vieler Perser vom Westen und seinen “Handlangern“ im eigenen Land. Eine Entwicklung, die ihren vorläufigen Höhepunkt in der antiwestlichen islamischen Revolution von 1979 fand.

Über epoc:
epoc, das Magazin für Geschichte, Archäologie und Kultur, aus dem Haus Spektrum der Wissenschaft erscheint seit 2004. Sechsmal pro Jahr vermitteln Forscher und Fachjournalisten auf mehr als 100 Seiten fundiert und unterhaltsam Wissen über historische Themen und zeigen spannende Zusammenhänge aus Kunst, Kultur und Geistesgeschichte auf. Ein jeweils umfassend beleuchtetes Titelthema zu zentralen Ereignissen, Persönlichkeiten und Kulturen der Welt sowie spannende Reportagen und Essays überzeugen alle zwei Monate rund 40.000 Leser.

Unter www.epoc.de finden alle historisch Interessierten Kurzmeldungen und aktuelle Ausstellungstipps. Ein Newsletter und die Chronologs, das Blogportal für Fragen zur Vergangenheit und ihrer Erforschung, halten Sie täglich auf dem Laufenden.

Abdruck honorarfrei bei Quellenangabe: epoc, Februar 2009
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