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Psychoonkologie: Dem Krebs begegnen

Ob eine optimistische Grundhaltung den Verlauf einer Krebserkrankung positiv beeinflusst, läßt sich wissenschaftlich nicht klar belegen. Doch eine gezielte psychologische Begleitung kann Betroffenen Ängste nehmen und ihre Lebensqualität verbessern.
Wunder Körper, wunde SeeleLaden...
Die Diagnose "Krebs" stürzt fast jeden Patienten in eine tiefe Krise. Während hoffnungsvolle Naturen irgendwann wieder nach vorne blicken und mögliche Heilungswege suchen, können bei anderen Depression und Verzweiflung die Folge sein. Beeinflusst die seelische Konstitution auch den Verlauf einer Tumorerkrankung?

Der Psychoonkologe Volker Tschuschke vom Universitätsklinikum Köln erklärt in der aktuellen Ausgabe des Psychologiemagazins "Gehirn&Geist" (9/2009): In der Tat wirke die Psyche auf das Immunsystem; dauernde Niedergeschlagenheit schwäche es nachweislich. Allerdings konnten Studien bislang nicht eindeutig belegen, dass negative Emotionen und Pessimismus das Tumorwachstum förderten oder dass umgekehrt positives Denken die Heilungschance verbessere.

Angst, Stress und Perspektivlosigkeit mindern allerdings erheblich die Lebensqualität vieler Patienten – vor allem, wenn diese nicht ausreichend unterrichtet und betreut werden. Laut Befragungen fällt es selbst Ärzte oft schwer, auf die emotionale Verfassung der Betroffenen einzugehen. Nach Angaben des Kölner Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen müssen Onkologen jährlich rund 4000 emotional belastendes Gespräche führen. Ein Team um die Psychotherapeutin Monika Keller von der Universität Heidelberg entwickelte deshalb ein Training, das helfen soll, sensibel mit schwer betroffenen Patienten umzugehen.

In Übungen und Rollenspielen, die gefilmt und anschließend besprochen werden, können die Teilnehmer ihr eigenes Kommunikationsverhalten schulen und Befürchtungen überwinden. Das KoMPASS genannte Programm ("Kommunikative Kompetenz zur Verbesserung des Arzt-Patienten-Beziehung") wird seit 2008 an sieben deutschen Kliniken erprobt. Laut ersten Ergebnissen stärkt es die Fähigkeit, die mit einer Krebserkrankung einhergehenden Belastungen zu verkraften.

Über Gehirn&Geist:
Gehirn&Geist ist das Magazin für Psychologie und Hirnforschung aus dem Verlag Spektrum der Wissenschaft. Es erscheint seit 2002, mittlerweile in 10 Ausgaben pro Jahr. Fundiert und allgemein verständlich berichten Wissenschaftler und Fachjournalisten in Gehirn&Geist über die Welt im Kopf. Schwerpunkte liegen dabei auf Psyche und Verhalten, Wahrnehmung und Bewusstsein, Intelligenz und Kreativität, Gefühle und Gedächtnis. Neue Erkenntnisse und Trends in der Psychotherapie und Medizin gehören ebenso dazu wie gehirngerechtes Lernen, Kindererziehung, Coaching und gesellschaftliche Debatten. Daneben informieren spezielle Sonderhefte ausführlich über Einzelthemen.

Die Homepage www.gehirn-und-geist.de mit aktuellen Nachrichten, Newsletter und dem kompletten Heftarchiv runden das redaktionelle Angebot ab. Außerdem bieten wir mit www.brainlogs.de das größte deutsche Blogportal für Psychologie und Neurowissenschaften, in dem Experten und Laien diskutieren.

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Ein Beleg wird erbeten.

September 2009

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist September 2009

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